1887

OECD Multilingual Summaries

Education at a Glance 2017

OECD Indicators

Summary in German

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10.1787/eag-2017-en

Bildung auf einen Blick 2017

OECD‑Indikatoren

Zusammenfassung in Deutsch

Absolventen der naturwissenschaftlich ausgerichteten Fachrichtungen finden am ehesten eine Beschäftigung – aber nicht immer

In den meisten OECD‑Ländern gehört ein tertiärer Abschluss in der Fächergruppe Wirt‑ schaft, Verwaltung und Recht zu den beliebtesten Ausbildungszielen. Im Durchschnitt der OECD‑Länder verfügen 23 Prozent der 25‑ bis 64‑jährigen Absolventen des Tertiärbereichs über einen Abschluss in einer dieser drei Fachrichtungen, im Vergleich zu 5 Prozent in Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik, 4 Prozent in Informatik und Kommuni‑ kationstechnologie sowie 17 Prozent in Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe. Diese Anteile sind auch bei den Anfängern im Tertiärbereich ähnlich, was auf ein unverändertes Interesse an diesen Fächergruppen schließen lässt.

Das Interesse an den MINT‑Fachrichtungen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaf‑ ten und Technik) nimmt jedoch mit steigender ISCED‑Stufe im Tertiärbereich zu. 2015 war der Anteil der Bildungsteilnehmer, die in diesen Fachrichtungen einen Abschluss in einem Promotionsbildungsgang erwarben, fast doppelt so hoch wie bei den Bachelorab‑ schlüssen. Auch internationale Bildungsteilnehmer im Tertiärbereich bevorzugen diese Fachrichtungen: Mit fast einem Drittel aller in den OECD‑Ländern im Tertiärbereich ein‑ geschriebenen Bildungsteilnehmer entfällt der größte Anteil auf die naturwissenschaftlich ausgerichteten Fachrichtungen.

Das Interesse am Ingenieurwesen ist in den berufsbildenden Bildungsgängen des Sekun‑ darbereichs II höher als im Tertiärbereich, was sich durch die engen Verbindungen dieser Bildungsgänge mit den entsprechenden Wirtschaftszweigen erklären lässt. Rund ein Drit‑ tel der Absolventen berufsbildender Bildungsgänge des Sekundarbereichs II erwerben einen Abschluss in Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe – mehr als das Doppelte des Anteils der Absolventen des Tertiärbereichs.

Die MINT‑Fachrichtungen profitieren auch von höheren Beschäftigungsquoten, was die Bedürfnisse einer zunehmend innovationsgetriebenen Gesellschaft widerspiegelt: Die Be‑ schäftigungsquote für Absolventen der Informatik und Kommunikationstechnologie (IKT) liegt um 7 Prozentpunkte über derjenigen der Absolventen der Geisteswissenschaften und Künste oder der Sozialwissenschaften, Journalistik und Informationswissenschaft. Die Beschäftigungsquoten der Absolventen von naturwissenschaftlich ausgerichteten Fach‑ richtungen sind jedoch unterschiedlich hoch: Absolventen der Naturwissenschaften, Ma‑ thematik und Statistik erreichen eher ähnliche Beschäftigungsquoten wie Absolventen der Geisteswissenschaften und Künste – beide Fächergruppen liegen unterhalb der Quoten der Ingenieure oder IKT‑Spezialisten.

Die Gleichstellung der Geschlechter liegt für einige Fächergruppen immer noch in weiter Ferne, dies gilt vor allem für berufsbildende Bildungsgänge des Sekundarbereichs II. Im Tertiärbereich verbessert sich die Gleichstellung der Geschlechter, obwohl Frauen noch immer nur rund ein Viertel aller Anfänger in der Fächergruppe Ingenieurwesen, verarbei‑

In der Regel sind Erwachsene heute besser ausgebildet als früher, aber noch immer geraten einige ins Hintertreffen

Seit 2000 haben viele Arbeitskräfte in den OECD‑ und Partnerländern einen höheren Bil‑ dungsstand als früher. Während im Jahr 2000 die Mehrzahl der jungen Erwachsenen über einen Abschluss im Sekundarbereich II als höchsten Abschluss verfügte, ist es heute beim größten Teil der 25‑ bis 34‑Jährigen ein Abschluss im Tertiärbereich. Der Anteil junger Erwachsener mit nur einer Ausbildung unterhalb Sekundarbereich II ist in der Mehr‑ zahl der OECD‑ und Partnerländer ebenfalls rückläufig und lag 2016 im Durchschnitt der OECD‑Länder bei 16 Prozent. Zwar erreichen mehr Erwachsene den Sekundarbereich II, die Erfolgsquoten in diesem Bereich geben jedoch weiter Anlass zu Sorge. In den Ländern mit verfügbaren True‑Cohort‑Daten hatten rund 25 Prozent derjenigen, die einen entspre‑ chenden Bildungsgang begonnen hatten, 2 Jahre nach Ende der regulären Ausbildungs‑ dauer noch keinen Abschluss erworben, und vier von fünf dieser Bildungsteilnehmer wa‑ ren nicht länger in Ausbildung. Das ist ein großer Verlust: Die Erwerbslosenquote junger Erwachsener im Alter von 25 bis 34 Jahren, die keinen Abschluss im Sekundarbereich II erworben haben, liegt bei knapp 17 Prozent, verglichen mit 9 Prozent für diejenigen mit einem solchen Abschluss.

Für Erwachsene führt die Investition in einen Abschluss im Tertiärbereich zu erheblichen Erträgen: Die Wahrscheinlichkeit, in Beschäftigung zu sein, ist um 10 Prozentpunkte höher, und im Durchschnitt verdienen sie 56 Prozent mehr als Erwachsene mit nur einem Abschluss im Sekundarbereich II. Sie sind auch die Ersten, die nach einer Wirtschaftskrise wieder Fuß fassen: Die Beschäftigungsquoten junger Erwachsener mit einem Abschluss im Tertiärbereich haben wieder das Niveau von vor der Krise erreicht, während die Be‑ schäftigungsquoten derjenigen ohne einen Abschluss im Sekundarbereich II noch immer im Rückstand sind. Erwachsene mit einem Abschluss im Tertiärbereich leiden auch sel‑ tener an Depressionen als Gleichaltrige mit einem niedrigeren Bildungsabschluss. Aus all diesen Gründen neigen junge Menschen zunehmend eher dazu, durch Bildung ihre Qualifikationen zu verbessern, als direkt nach Ende der Schulpflicht in den Arbeitsmarkt einzutreten. Zwischen 2000 und 2016 ist der Anteil der 20‑ bis 24‑Jährigen, die sich noch in Ausbildung befinden, um 10 Prozentpunkte gestiegen, im Vergleich zum Anteil derjenigen in Beschäftigung, der um 9 Prozentpunkte gesunken ist.

Die Gesamtausgaben für den Tertiärbereich sind schneller gestiegen als die Zahl der Bildungsteilnehmer

Die Bildungsausgaben sind in allen Bildungsbereichen stärker gestiegen als die Zahl der Bildungsteilnehmer, das gilt insbesondere für den Tertiärbereich. Zwischen 2010 und 2014 stiegen die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Primar‑, Sekundar‑ und postsekunda‑ ren, nicht tertiären Bereich um 4 Prozent, obwohl die Zahl der Schüler im gleichen Zeit‑ raum leicht rückläufig war. Dagegen sind die Gesamtausgaben für Bildungseinrichtungen im Tertiärbereich im gleichen Zeitraum mehr als doppelt so stark gestiegen wie die Zahl der Bildungsteilnehmer, ein klares Zeichen für die besondere Bedeutung, die Regierungen und die Gesellschaft insgesamt einer Ausbildung im Tertiärbereich beimessen.

Die öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Primar‑ bis Tertiärbereich sind zwar eindeutig angestiegen, doch hat dieser Anstieg im Durchschnitt der OECD‑Länder nicht mit dem Anstieg des BIP zwischen 2010 und 2014 Schritt gehalten. Dies führte im gleichen Zeitraum zu einem Rückgang der öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtun‑ gen als Prozentsatz des BIP um 2 Prozent. Ebenso ist in der Hälfte der OECD‑Länder der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben für den Primar‑ bis Tertiärbereich an den öffent‑ lichen Gesamtausgaben zwischen 2010 und 2014 zurückgegangen.

Der Anteil der Finanzierung durch öffentliche Mittel ist in den Bildungsbereichen, die un‑ ter die Schulpflicht fallen, signifikant höher als im Tertiärbereich. Während der öffentliche Sektor noch immer 91 Prozent der Finanzierung des Primar‑, Sekundar‑ und postsekunda‑ ren, nicht tertiären Bereichs bereitstellt, deckt er nur 70 Prozent der Gesamtausgaben im Tertiärbereich ab, sodass die verbleibenden Kosten von den privaten Haushalten zu tragen sind. Dennoch ist der Anteil der öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen zwi‑ schen 2010 und 2014 im Allgemeinen über alle Bildungsbereiche hinweg stabil geblieben.

Der Lehrerberuf leidet unter den im Vergleich niedrigeren Gehältern und dem demografischen Faktor

Lehrkräfte bilden das Rückgrat des Bildungssystems, aber der Lehrerberuf wird in zu‑ nehmendem Maße unattraktiv für junge Erwachsene in der Ausbildung, und die bereits unterrichtenden Lehrkräfte werden vor allem in den höheren Bildungsbereichen immer älter. 2015 waren im Durchschnitt der OECD‑Länder 33 Prozent der Lehrkräfte im Pri‑ mar‑ und Sekundarbereich mindestens 50 Jahre alt, was einem Anstieg von 3 Prozent‑ punkten seit 2005 entspricht. Ferner wird der Beruf noch immer überwiegend von Frauen ausgeübt, sie stellen im Durchschnitt aller OECD‑Länder 70 Prozent der Lehrkräfte. Die Geschlechterparität verbessert sich jedoch in den höheren Bildungsbereichen: Während im Elementarbereich 97 Prozent der Lehrkräfte weiblich sind, machen Frauen im Tertiär‑ bereich 43 Prozent der Lehrenden aus.

Die Gehälter der Lehrkräfte sind im Verhältnis zu den Erwerbseinkommen Vollzeitbe‑ schäftigter mit vergleichbarem Bildungsstand niedrig. Das ist eines der größten Hin‑ dernisse, wenn es darum geht, junge Menschen für den Lehrerberuf zu gewinnen. Zwar steigen die Gehälter der Lehrkräfte mit dem Bildungsbereich, in dem sie unterrichten, sie erreichen aber trotzdem nur zwischen 78 und 94 Prozent der Erwerbseinkommen anderer Vollzeitbeschäftigter mit einem Abschluss im Tertiärbereich. Die Wirtschaftskrise 2008 wirkte sich unmittelbar auf die Gehälter der Lehrkräfte aus, diese wurden entweder einge‑ froren oder in einigen Ländern sogar gekürzt. In einem Drittel der Länder und subnatio‑ nalen Einheiten mit verfügbaren Daten sind die gesetzlichen bzw. vertraglich vereinbarten Gehälter der Lehrkräfte zwischen 2005 und 2015 real gesunken.

Weitere wichtige Ergebnisse

Aufgrund der niedrigeren Investitionen im Elementarbereich ist der Anteil der Kinder, die in diesem Bereich private Bildungseinrichtungen besuchen, deutlich größer als im Primar‑ und Sekundarbereich.

Allgemeinbildende Bildungsgänge im Sekundarbereich II sind beliebter als berufsbilden‑ de Bildungsgänge: 37 Prozent der 15‑ bis 19‑Jährigen besuchen einen allgemeinbildenden Bildungsgang des Sekundarbereichs II, verglichen mit 25 Prozent in berufsbildenden Bildungsgängen, obwohl in vielen Ländern berufsbildende Bildungsgänge eine wichtige Säule des Bildungssystems sind.

Finanzielle Unterstützungsleistungen tragen dazu bei, die Last hoher Bildungsgebüh‑ ren, die bestimmte Einrichtungen des Tertiärbereichs verlangen, zu mildern. Mindestens 75 Prozent der Bildungsteilnehmer im Tertiärbereich in Australien, England (Vereinigtes Königreich) und den Vereinigten Staaten profitieren von öffentlichen Darlehen oder Sti‑ pendien bzw. finanziellen Unterstützungsleistungen.

Mehr als die Hälfte der Länder und subnationalen Einheiten mit verfügbaren Daten hat offene Zulassungssysteme zu öffentlichen und/oder privaten Bildungseinrichtungen des Tertiärbereichs. Die am weitesten verbreiteten Prüfungen/Tests zur Zulassung zu einem grundständigen Bildungsgang im Tertiärbereich sind nationale/zentrale Prüfungen gegen Ende des Sekundarbereichs II sowie Zulassungsprüfungen der tertiären Bildungseinrich‑ tungen selbst.

© OECD

Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.

Die Wiedergabe dieser Zusammenfassung ist unter Angabe der Urheberrechte der OECD sowie des Titels der Originalausgabe gestattet.

Zusammenfassungen in Drittsprachen enthalten auszugsweise Übersetzungen von OECD-Publikationen, deren Originalfassungen in englischer und französischer Sprache veröffentlicht wurden.

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© OECD (2017), Education at a Glance 2017: OECD Indicators, OECD Publishing.
doi: 10.1787/eag-2017-en

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