1887

OECD Multilingual Summaries

Taxing Wages 2020

How Tax Systems Influence Choice of Employment Form

Summary in German

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Die komplette Publikation finden Sie unter:
10.1787/047072cd-en

Besteuerung der Arbeit 2020

Einfluss der Steuersysteme auf die Wahl der Beschäftigungsform

Zusammenfassung in Deutsch

Der Steuerkeil für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener belief sich 2019 im OECD‑Durchschnitt auf 36,0 %. Dies stellt eine Verringerung um 0,11 Prozentpunkte gegenüber 2018 und den sechsten jährlichen Rückgang in Folge dar. Der Steuerkeil misst die Differenz zwischen den Arbeitskosten des Arbeitgebers und dem Nettoverdienst, der dem Arbeitnehmer bleibt. Er ergibt sich aus der Summe der Einkommensteuern und der Arbeitgeber‑ und Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung abzüglich erhaltener Transferzahlungen im Verhältnis zu den Gesamtarbeitskosten des Arbeitgebers.

Im OECD‑Durchschnitt fiel der Steuerkeil für Alleinstehende 2019 zwar niedriger aus, tatsächlich verzeichneten aber nur 17 von 36 OECD‑Ländern eine Verringerung der Steuer‑ und Abgabenbelastung. In allen diesen Ländern außer Litauen hatte die Verkleinerung des Steuerkeils lediglich einen geringen Umfang von weniger als 1 Prozentpunkt. Litauen wies mit 3,43 Prozentpunkten den stärksten Rückgang aus. Grund war eine umfassende Politikreform mit einer deutlichen Senkung der arbeitgeberseitigen Sozialversicherungsbeiträge, die größtenteils durch eine Erhöhung der Steuer‑ und Abgabenbelastung der Arbeitnehmer und einen entsprechenden Anstieg ihres Bruttoverdiensts ausgeglichen wurde.

Trotz des im OECD‑Durchschnitt verzeichneten Rückgangs war 2019 in 19 OECD‑Ländern eine Vergrößerung des Steuerkeils für den alleinstehenden Durchschnittsverdiener zu beobachten. Die Erhöhungen des Steuerkeils fielen noch geringer aus als die Rückgänge und machten in keinem Land außer Estland (1,08 Prozentpunkte) mehr als ½ Prozentpunkt aus. In Estland nahm der steuermindernde Effekt eines einkommensbezogenen Freibetrags ab, weil der Durchschnittsverdienst zwischen 2018 und 2019 stieg.

Auch der Steuerkeil für Alleinverdienerfamilien verringerte sich im OECD‑Durchschnitt zum fünften Mal in Folge. Er schrumpfte gegenüber 2018 um 0,07 Prozentpunkte auf 26,4 %. Eine Verkleinerung dieses Steuerkeils war 2019 in 17 OECD‑Ländern zu beobachten. Den stärksten Rückgang verzeichneten Litauen (4,24 Prozentpunkte), Österreich (3,67 Prozentpunkte) und Frankreich (2,34 Prozentpunkte). In Chile blieb der Steuerkeil für diesen Haushaltstyp unverändert, während er in den übrigen 18 OECD‑Ländern stieg. Eine Zunahme um mehr als 1 Prozentpunkt wurde in Slowenien (3,32 Prozentpunkte), Polen (2,62 Prozentpunkte), Neuseeland (1,55 Prozentpunkte), Estland (1,37 Prozentpunkte) und der Tschechischen Republik (1,03 Prozentpunkte) festgestellt.

In einem Sonderkapitel des Berichts werden anhand der Rahmenvorgaben von Taxing Wages ausgewählte Länder daraufhin untersucht, ob Unterschiede bei der steuerlichen Behandlung verschiedener Kategorien von Beschäftigten für Steuerarbitragemöglichkeiten sorgen. Die Ausgestaltung von Steuersystemen kann bewirken, dass Unternehmen durch die Art der Arbeitsverhältnisse, die sie anbieten (z. B. die Wahl zwischen Vollzeitstellen oder Werkverträgen), oder Arbeitskräfte durch ihre Organisationsform (z. B. die Wahl zwischen abhängiger oder selbstständiger Beschäftigung) von Arbitragemöglichkeiten profitieren können. Große Arbitragemöglichkeiten können ein Anreiz sein, bestimmte steuerlich vorteilhafte Beschäftigungsformen zu wählen. Dies kann die Steuergerechtigkeit beeinträchtigen und die Staatseinnahmen mindern.

Wichtigste Erkenntnisse

Der Steuerkeil verkleinerte sich im OECD‑Durchschnitt zwischen 2018 und 2019

  • Im OECD‑Durchschnitt belief sich die Belastung des Faktors Arbeit mit Einkommensteuern sowie Arbeitgeber‑ und Arbeitnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung 2019 auf 36,0 %, was einem Rückgang um 0,11 Prozentpunkte entspricht.
  • Den größten durchschnittlichen Steuerkeil für kinderlose Alleinstehende, deren Arbeitsentgelt dem Durchschnittsverdienst in ihrem Land entspricht, wies 2019 Belgien (52,2 %) auf, gefolgt von Deutschland (49,4 %), Italien (48,0 %), Österreich (47,9 %) und Frankreich (46,7 %). Am niedrigsten war die Steuer‑ und Abgabenbelastung in Chile (7,0 %) und Neuseeland (18,8 %).
  • Der Steuerkeil vergrößerte sich zwischen 2018 und 2019 in 19 von 36 Ländern und ging in 17 Ländern zurück. Eine Verringerung um mehr als 1 Prozentpunkt wies nur Litauen auf (siehe weiter oben). Die einzigen anderen Länder mit einem Rückgang um mehr als 0,5 Prozentpunkte waren Australien (0,94 Prozentpunkte), die Niederlande (0,56 Prozentpunkte) und Finnland (0,52 Prozentpunkte). Estland verzeichnete als einziges Land eine Zunahme des Steuerkeils um mehr als 1 Prozentpunkt. Abgesehen von Estland vergrößerte sich der Steuerkeil für Alleinstehende in keinem Land um mehr als 0,5 Prozentpunkte. Den – nach Estland – stärksten Anstieg wiesen Mexiko (0,39 Prozentpunkte), Slowenien (0,38 Prozentpunkte) und Neuseeland (0,34 Prozentpunkte) aus.

Für Familien mit Kindern lag der durchschnittliche Steuerkeil 2019 bei 26,4 %

  • Der größte Steuerkeil für Alleinverdienerpaare mit zwei Kindern und Durchschnittsverdienst wurde 2019 in Italien verzeichnet (39,2 %). In Finnland, Griechenland, Schweden und der Türkei lag er zwischen 37 % und 38 %. Am geringsten war er in Neuseeland (3,5 %), gefolgt von Chile (7,0 %) und der Schweiz (9,9 %).
  • Die stärkste Zunahme des Steuerkeils für diesen Haushaltstyp wurde zwischen 2018 und 2019 in Slowenien (3,32 Prozentpunkte) festgestellt, gefolgt von Polen (2,62 Prozentpunkte), Neuseeland (1,55 Prozentpunkte), Estland (1,37 Prozentpunkte) und der Tschechischen Republik (1,03 Prozentpunkte). Den deutlichsten Rückgang wiesen Litauen (4,24 Prozentpunkte), Österreich (3,67 Prozentpunkte) und Frankreich (2,34 Prozentpunkte) auf.
  • Der Steuerkeil für Alleinverdienerpaare mit Kindern ist in fast allen OECD‑Ländern kleiner als für kinderlose Alleinstehende. Die einzige Ausnahme ist Mexiko, wo die Belastung für beide Haushaltstypen gleich hoch ist. In Belgien, Deutschland, Irland, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, Polen, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn beträgt der Unterschied mindestens rd. 15 % der Arbeitskosten.

Einfluss der Steuersysteme auf die Wahl der Beschäftigungsform (Sonderkapitel)

  • Im OECD‑Raum erwirtschaften immer mehr Arbeitskräfte Einkünfte außerhalb traditioneller Beschäftigungsverhältnisse. Dieser Trend ist bereits seit einiger Zeit zu beobachten und auf viele verschiedene Faktoren zurückzuführen (z. B. demografischer Wandel, Arbeitsmarktregulierung). Die Politikverantwortlichen sollten jedoch prüfen, inwiefern diese Entwicklung auch durch Unterschiede bei der steuerlichen Behandlung verschiedener Beschäftigungsformen bedingt sein könnte.
  • Die Steuersysteme müssen evaluiert und neu überdacht werden, um sicherzustellen, dass die Steuerpolitik mit den Veränderungen am Arbeitsmarkt Schritt hält.
  • Möglicherweise müssen Steuer‑ und Transfersysteme reformiert werden, damit die Unternehmen keine übermäßigen Anreize haben, Arbeitskräfte als Selbstständige zu beschäftigen. Obwohl die Gestaltung von Steuersystemen nach dem Prinzip der strikten Steuerneutralität zwischen verschiedenen Beschäftigungsformen erfolgen sollte, ist dabei zu bedenken, dass Unterschiede zwischen den Arbeitskräften, z. B. beim Anspruch auf Sozialleistungen, eine differenzierte steuerliche Behandlung rechtfertigen können.

© OECD

Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.

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