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Das Wirtschaftswachstum wird sich den Projektionen zufolge in den kommenden Jahren allmählich beschleunigen, aufgrund der jüngsten sozialen Unruhen und der anhaltenden außenwirtschaftlichen Belastungen jedoch schwächer ausfallen als zuvor erwartet. Günstige Finanzierungsbedingungen und eine Steuerreform werden 2020 die Investitionstätigkeit stützen. Der private Verbrauch dürfte dank niedriger Realzinsen und steigender Löhne solide bleiben. Ein kräftigeres Wachstum und eine anhaltende Zuwanderung werden die Beschäftigung erhöhen. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte stabil bleiben.

Die Geldpolitik wird zunächst akkommodierend bleiben, was angemessen ist. Wenn sich die Inflation der 3%-Marke nähert und sich die Produktionslücke schließt, dürfte mit einer verhaltenen Straffung begonnen werden. Die Fiskalpolitik muss den höheren Bedarf an Sozialausgaben mit der Haushaltregel in Einklang bringen, deren Einhaltung umsichtiges Haushaltsgebaren voraussetzt. Zur Förderung eines inklusiven Wachstums sind Reformen erforderlich, die die soziale Sicherung verbessern, die aktive Arbeitsmarktpolitik stärken und die Geschäftsdynamik erhöhen.

Das Wachstum wird von der Inlandsnachfrage getragen

Die Wirtschaftstätigkeit verlangsamte sich 2019 aufgrund witterungsbedingter Schocks im Bergbausektor, eines Produktionsrückgangs im Verarbeitenden Gewerbe und eines geringeren Exportwachstums. Die jüngsten sozialen Unruhen belasten Konsum und Investitionen. Die Arbeitsmarktkonjunktur ist nach wie vor gedämpft, und von den Arbeitsmarktindikatoren gehen widersprüchliche Signale aus. Obwohl die amtlichen Zahlen auf ein solides Beschäftigungswachstum im formellen Sektor hindeuten, ist die Arbeitslosenquote nicht gesunken. Dies könnte damit zusammenhängen, dass der Arbeitsmarkt nicht flexibel genug auf die jüngste Zuwanderungswelle reagiert hat. Die außenwirtschaftlichen Bedingungen haben sich verschlechtert, da die eskalierenden Handelskonflikte und die handelspolitische Unsicherheit den Welthandel beeinträchtigt haben. Die Inflation verharrt mit nahezu 2% im unteren Bereich des Zielkorridors, was z.T. einem kontinuierlichen Rückgang der Dienstleistungspreise zuzuschreiben ist.

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Contributors to economic growth and inflation: Chile
Contributors to economic growth and inflation: Chile

1. Core inflation includes all items without energy and fuels.

2. Inflation expectations at 23 months.

Source: Central Bank of Chile; and OECD Economic Outlook 106 database.

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934045145

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Chile: Demand, output and prices
Chile: Demand, output and prices

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934046228

Anhaltende Reformbemühungen sind Voraussetzung für ein höheres und inklusiveres Wachstum

Die Zentralbank hat den Leitzins zu Jahresbeginn von 3% auf derzeit 1,75% gesenkt, was u.a. darauf zurückzuführen war, dass die Inflations- und Konjunkturentwicklung hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Die Geldpolitik wird den Projektionen zufolge akkommodierend ausgerichtet bleiben, bis das Inflationsziel von 3% erreicht ist und der Arbeitsmarkt an Dynamik gewinnt.

Mit der vorgesehenen allmählichen Konsolidierung gemäß der Haushaltsregel ist der fiskalpolitische Kurs im Großen und Ganzen angemessen. Das derzeit im Parlament diskutierte Steuerreformprojekt sieht eine Erhöhung der Einkommensteuer und der Grundsteuer für Haushalte mit hohem Einkommen vor. Seine Umsetzung würde die Einnahmen steigern. Dank vereinfachter steuerrechtlicher Bestimmungen für KMU und beschleunigter Abschreibungen würde die Reform auch die Investitionstätigkeit ankurbeln. Mit den jüngst angekündigten Maßnahmen – in erster Linie höhere aus öffentlichen Mitteln finanzierte Renten und ein höheres garantiertes Mindesteinkommen für die schwächsten Bevölkerungsgruppen – werden die Sozialausgaben weiter angehoben, was aber mit der Haushaltsregel in Einklang gebracht wurde. Diese Maßnahmen werden den privaten Konsum stützen.

Um ein stärkeres und inklusiveres Wachstum zu erzielen, muss die Dynamik der Strukturreformen aufrechterhalten werden. Es ist nach wie vor äußerst wichtig, die Zweiteilung des Arbeitsmarkts – stabile Beschäftigungsverhältnisse auf der einen Seite und prekäre auf der anderen – zu reduzieren, die in jüngster Zeit zugewanderten Arbeitskräfte zu integrieren, die Genehmigungsverfahren und sonstigen Regulierungsauflagen zu vereinfachen und den Wettbewerb bei den Netzdienstleistungen zu steigern. Die Regierung hat ein begrüßenswertes Programm zur Förderung von Unternehmensinvestitionen aufgestellt. Hauptinstrumente sind verwaltungstechnische Änderungen zur Vereinfachung von Genehmigungs- und sonstigen Verfahren für Großprojekte, die Ausdehnung des Insolvenzrechts auf kleinere Unternehmen, die rechtliche Anerkennung elektronischer Signaturen und die Lockerung der Bedingungen für die Einstellung ausländischer Arbeitskräfte. Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen würde helfen, die nach wie vor niedrige Frauenerwerbsbeteiligung zu erhöhen und das anhaltend große Lohngefälle zwischen den Geschlechtern zu schließen. Eine Lockerung der Bestimmungen für unbefristete Arbeitsverträge bei gleichzeitiger Ausweitung des Arbeitslosenversicherungsschutzes würde der Zweiteilung des Arbeitsmarkts entgegenwirken und Ungleichheiten reduzieren.

Die projizierte Wachstumsbelebung ist mit beträchtlicher Unsicherheit behaftet

Solide makroökonomische Fundamentaldaten und eine nachhaltige Fiskalpolitik dürften das Wachstum trotz der negativen Auswirkungen der sozialen Unruhen im letzten Quartal 2019 und ungünstiger außenwirtschaftlicher Bedingungen stützen. Günstige Finanzierungsbedingungen, hohe Kupferpreise, ein positives Geschäftsklima und die geplante Steuerreform dürften die Investitionstätigkeit beleben. Niedrige Realzinsen und steigende Löhne werden den privaten Konsum weiter ankurbeln, Staatsverbrauch und Exporte werden allerdings verhalten bleiben. Aufgrund der anhaltenden sozialen Unruhen sind die Projektionen jedoch mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Es gilt die eigentlichen Ursachen der Unruhen anzugehen, die Lebensqualität der privaten Haushalte zu erhöhen und das Geschäftsklima zu verbessern. Sollte die Umsetzung der erforderlichen ehrgeizigen Sozialreformen scheitern oder sich verzögern, würde das Wachstum schwächer ausfallen als derzeit erwartet. Das außenwirtschaftliche Umfeld, das durch die Handelsspannungen und Instabilitäten in der Region beeinträchtigt wird, stellt ebenfalls ein Abwärtsrisiko dar. Eine vollständige Umsetzung der ambitionierten Strukturreformagenda könnte die Investitionstätigkeit hingegen stärker steigern als erwartet.

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https://doi.org/10.1787/31045866-de

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