1887

OECD Multilingual Summaries

OECD Business and Finance Outlook 2018

Summary in German

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Die komplette Publikation finden Sie unter:
10.1787/9789264298828-en

Unternehmens‑ und Finanzausblick der OECD 2018

Zusammenfassung in Deutsch

Vernetzung zwischen Institutionen innerhalb des globalen Finanzsystems wie auch zwischen einzelnen Ländern ist ein integraler Bestandteil der Globalisierung und ein entscheidender Faktor in den Bemühungen komplexer Gesellschaften, ihre Produktivität zu steigern. Der diesjährige Ausblick befasst sich mit Vernetzungen, die sowohl zwischen Institutionen innerhalb des globalen Finanzsystems als auch zwischen einzelnen Ländern bestehen. Im Zusammenhang mit letzteren analysiert der Ausblick das zunehmende Gewicht Chinas in der Weltwirtschaft. Er untersucht insbesondere, wie sich die als „Neue Seidenstraße“ („Belt and Road Initiative“ – BRI) bekannte internationale Entwicklungsstrategie auf Chinas globale Handels‑ und Investitionspartner auswirkt und welche Politikansätze dazu beitragen würden, dass die gesamte Weltwirtschaft von dieser Initiative profitiert.

Der Ausblick für das globale Finanzsystem

Die Währungsbehörden von Staaten mit global systemrelevanten Banken (G‑SIB) haben das globale Finanzsystem seit 2008 durch extrem niedrige Zinssätze und umfangreiche Wertpapierkäufe gestützt. Ziel dieser Maßnahmen war zunächst die Stützung der nicht mehr ordnungsgemäß funktionierenden Märkte und anschließend die Förderung der Konjunkturerholung. Angesichts der Verbesserung der Wirtschaftslage hat die US‑Notenbank Federal Reserve begonnen, ihre Politik zu normalisieren. Die Zentralbanken in anderen fortgeschrittenen Ländern werden voraussichtlich folgen. Dies hat 2018, vor allem in den ersten Monaten des Jahres, zu starken Vermögenspreisänderungen beigetragen. Die Steuerung dieses Prozesses wird eine Herausforderung darstellen.

Während dieser Prozess anlief, wurde die Reform des Regelwerks für international tätige Banken, das weithin als Basel III bekannt ist, vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht abgeschlossen. Die Rücknahme der geldpolitischen Lockerung wird zeigen, ob Basel III sein Ziel erreicht hat, Sicherheit und Stabilität im Finanzsystem in Stresssituationen zu gewährleisten, insbesondere wenn die Liquidität von Produkten für Volatilität sorgt. Basel III erzielte zwar Fortschritte bei der Stärkung der Eigenkapitalregeln, beließ aber G‑SIB und ihre Geschäftsmodelle in einem ähnlichen Zustand wie vor der Krise von 2008 – zumindest wurde auf die vollständige Trennung von Investmentbanking und Einlagengeschäft verzichtet. Die aus solchen Verflechtungen resultierende Risikoanfälligkeit ist nach wie vor ein wesentliches Merkmal des Systems. Eine Messgröße der Interdependenz, der Nominalwert von OTC‑Derivaten, lag im zweiten Halbjahr 2017 noch immer bei 532 Bill. USD und damit nur geringfügig unter dem gegen Ende 2007 verzeichneten Vorkrisenhoch von 586 Bill. USD. Es hat eine gewisse Verlagerung der Risiken stattgefunden, da die Investoren auf das Niedrigzinsumfeld reagiert haben.

Die finanziellen Aussichten werden auch durch Chinas Fähigkeit bestimmt, Risiken im Zusammenhang mit der hohen Verschuldung und dem hohen Fremdkapitalanteil in seinem Banken‑, Schattenbanken‑ und Vermögensverwaltungssektor zu bewältigen. Wenngleich China aufgrund des geschlossenen Charakters seines Finanzsystems den Risiken in fortgeschrittenen Volkswirtschaften nicht unmittelbar ausgesetzt ist, könnten dort auftretende Probleme die chinesischen Behörden dazu veranlassen, die Bestände an US‑Wertpapieren abzubauen. Dies würde den Liquiditätsdruck in fortgeschrittenen Volkswirtschaften erhöhen. Das Ausmaß der Probleme mit notleidenden Krediten in China wird durch mangelnde Informationen über die in außerbilanzielle Zweckgesellschaften ausgelagerten Vermögenswerte verschleiert. Klar ist aber, dass diese enormen außerbilanziellen Positionen das Leverage‑Risiko erhöht haben und zu destabilisierenden Kreditereignissen führen könnten. Sie könnten das Wachstum über China hinaus beeinträchtigen, wenn weitere Veränderungen an der Struktur der Finanzmärkte und ‑institutionen in führenden fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften ausbleiben.

Die „Neue Seidenstraße“ in der globalen Handels‑, Investitions‑ und Finanzierungslandschaft

Chinas „Neue Seidenstraße“ („Belt and Road Initiative“ – BRI) ist eine ehrgeizige Entwicklungsstrategie, mit der die Vernetzung und Zusammenarbeit in sechs Hauptwirtschaftskorridoren gefördert werden soll. Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank zufolge benötigt Asien bis 2030 Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 26 Bill. USD – und China kann sicherlich einen Teil dazu beitragen. Mit der BRI‑Strategie, die vorrangig auf die Infrastrukturfinanzierung ausgerichtet ist, sollen darüber hinaus mehrere längerfristige Ziele erreicht werden: Vernetzung, Energie‑ und Ernährungssicherheit, eine ausgewogene regionale Entwicklung und bessere Kapazitätsauslastung, freierer Handel, Nachhaltigkeitsziele sowie kultureller und wissenschaftlicher Austausch.

China investiert in den Technologietransfer, um seine Wirtschaft auf Aktivitäten mit höherer Wertschöpfung umzustellen. Auf längere Sicht soll das erreicht werden, was anderen führenden Ländern im Hinblick auf Technologiestandards, Innovationen und Wertschöpfungsketten im Handel gelungen ist. Vernetzung ist ein wichtiges Element der Strategie, was angesichts zahlreicher unterschiedlicher Energiequellen entlang der BRI‑Korridore vor allem für den Energiebereich gilt. Allgemeiner betrachtet deutet die empirische Analyse in diesem Ausblick darauf hin, dass die Vernetzung fortgeschrittener und aufstrebender Volkswirtschaften untereinander die positiven Effekte von Handel und Investitionen verstärkt. Allerdings ist der Finanzierungsbedarf im Infrastrukturbereich in den Entwicklungsländern Asiens groß und Chinas eigene finanzielle Herausforderungen im Inland zeigen die Grenzen dessen auf, was China alleine leisten kann. Das bedeutet, dass erhebliche Beiträge von OECD‑Ländern notwendig sein werden, um die BRI zum Erfolg zu führen. Dies setzt voraus, dass den Märkten bei Entscheidungen über die Ressourcenallokation eine größere Rolle zukommt. Um dies zu ermöglichen, müssen die Eigentumsrechte und der Wettbewerb gestärkt sowie faire Wettbewerbsbedingungen und eine verantwortungsvolle Governance sichergestellt werden.

Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen für nachhaltiges Wachstum

Die BRI ist eine Etappe der Globalisierung, die eher langfristig ausgelegt ist und – ebenso wie ähnliche weltwirtschaftliche Belange – eine transparente Grundlage mit soliden Prinzipen braucht, die kosteneffektive Lösungen und faire Bedingungen für alle Stakeholder fördern.

Fünf große Bereiche, die von einer stärkeren Anpassung an internationale Standards profitieren könnten, sind hervorzuheben:

  • Angesichts der wachsenden Bedeutung staatseigener Unternehmen in der Weltwirtschaft sind Instrumente zur Gewährleistung fairer Wettbewerbsbedingungen erforderlich, die Subventionen und intransparente Prozesse unterbinden und es den Empfängerländern ermöglichen, von Investitionen auf Basis weithin anerkannter Corporate‑Governance‑Praktiken zu profitieren. Die Empfängerländer müssen sich mit Bedenken bezüglich der nationalen Sicherheit auseinandersetzen, insbesondere bei strategisch sensiblen Technologien und Lücken in der gesetzlichen Rechenschaftspflicht von staatseigenen Unternehmen.
  • Es bedarf offener und transparenter Regelungen für die Beschaffung, namentlich für umfangreiche Infrastrukturinvestitionen.
  • Sowohl bei großen Infrastrukturprojekten als auch in anderen Bereichen müssen die hohen Kosten, die Bestechung und Korruption verursachen können, vermieden werden. Sozialen und ökologischen Kosten muss Rechnung getragen werden, indem verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln sichergestellt wird, das lokale Gemeinschaften möglichst wenig beeinträchtigt.
  • Ergänzend zu den Anforderungen, die an Unternehmen in Bezug auf den Umweltschutz gestellt werden, müssen staatliche Stellen vor der Umsetzung geplanter Projekte für den Bau von Einrichtungen und Infrastruktur Umweltverträglichkeitsprüfungen durchführen.
  • Offene und transparente Regelungen für grenzüberschreitende Investitionen sind notwendig, um die Kosten zu senken und die Technologieoptionen zu erweitern. Diese werden dazu beitragen, die Vernetzung und Skaleneffekte zu fördern, die mit den Infrastrukturstrategien erreicht werden sollen.

In allen fünf Bereichen liefern OECD‑ und sonstige internationale Standards wichtige Leitlinien sowohl für die Empfängerländer von Infrastrukturinvestitionen als auch für die Volkswirtschaften, die sie tätigen.

© OECD

Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.

Die Wiedergabe dieser Zusammenfassung ist unter Angabe der Urheberrechte der OECD sowie des Titels der Originalausgabe gestattet.

Zusammenfassungen in Drittsprachen enthalten auszugsweise Übersetzungen von OECD-Publikationen, deren Originalfassungen in englischer und französischer Sprache veröffentlicht wurden.

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© OECD (2018), OECD Business and Finance Outlook 2018, OECD Publishing.
doi: 10.1787/9789264298828-en

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