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Der starke Konjunkturaufschwung wird sich den Projektionen zufolge analog zur Auslandsnachfrage in den kommenden beiden Jahren auf gut 3% abschwächen. Dank kräftiger Zuwächse bei den Realeinkommen wird die Expansion weiterhin vom privaten Verbrauch getragen. Die öffentlichen Investitionen werden sich parallel zu den sinkenden Auszahlungen aus EU-Strukturfonds verlangsamen. Aufgrund von Kapazitätsengpässen erhöhen sich die Unternehmensinvestitionen und die Einfuhren. Die zunehmend angespannte Arbeitsmarktlage lässt den Lohn- und Preisauftrieb weiter steigen.

Da die Sozialversicherungsbeiträge weiter gesenkt werden und die öffentlichen Ausgaben – u.a. für die Löhne – steigen, bleibt die Fiskalpolitik konjunkturstützend. Die Zentralbank wird ihren lockeren geldpolitischen Kurs voraussichtlich fortsetzen. Allerdings sollten antizyklische Maßnahmen genutzt werden, um auf Anzeichen einer Überhitzung zu reagieren und die Inflationserwartungen einzudämmen. Durch Maßnahmen, die die geografische Mobilität der Arbeitskräfte und das Arbeitsangebot verbessern, wie etwa die Ausweitung des frühkindlichen Betreuungsangebots, ließe sich der Aufschwung verlängern.

Die Inlandsnachfrage ist der wichtigste Wachstumsmotor

Die Nachfrage der privaten Haushalte ist nach wie vor kräftig. Dies ist den anhaltend soliden Beschäftigungs- und Reallohnzuwächsen, dem Allzeithoch des Konsumklimas, Förderprogrammen für Wohnungsbauinvestitionen und der sehr akkommodierend ausgerichteten Geldpolitik zu verdanken. Andere Investitionen profitieren von den hohen Auszahlungen aus EU-Strukturfonds, der nachfrageinduzierten Ausweitung der Produktionskapazitäten und ausländischen Direktinvestitionen im exportorientierten Automobilsektor sowie ebenfalls von der konjunkturstützenden Geldpolitik. Die Ausfuhren haben sich parallel zur Auslandsnachfrage verlangsamt, wohingegen die Einfuhren unter dem Einfluss der kräftigen Inlandsnachfrage weiter expandieren.

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Exchange, interest rates and inflation and wages: Hungary
Exchange, interest rates and inflation and wages: Hungary

1. Higher values indicate that the currency depreciates, while lower values that it appreciates.

2. Core inflation excludes food products and fuels.

Source: OECD Economic Outlook 106 database; OECD Main Economic Indicators database; and IMF International Financial Statistics database.

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934045449

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Hungary: Demand, output and prices
Hungary: Demand, output and prices

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934046456

Die Arbeitslosenquote ist auf einen historischen Tiefstand von unter 3½% gesunken. Dank der dynamischen Arbeitsplatzschaffung im privaten Sektor, die teilweise durch eine Kürzung der öffentlichen Arbeitsbeschaffungsprogramme neutralisiert wurde, erreichte die Gesamtbeschäftigung im späteren Jahresverlauf 2019 ein Allzeithoch. Die privaten Unternehmen melden weit verbreitete Arbeitskräfteengpässe, und die Vakanzquote zählt zu den höchsten Europas. Die angespannte Arbeitsmarktlage und die Anhebung der Mindestlöhne sorgen weiterhin für ein zweistelliges Lohnwachstum im privaten Sektor. Durch die erneute Senkung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung wurde der Anstieg der Gesamtlohnkosten z.T. ausgeglichen. Dennoch steigt die Kerninflation weiter, wohingegen die Gesamtinflation dank niedrigerer Energiepreise auf unter 3% gesunken ist. Ein weiterer Faktor für den Inflationsdruck ist die Schwäche des Forint.

Eine Rücknahme der makroökonomischen Maßnahmen würde den Aufschwung aufrechterhalten

Das Wachstum wird durch niedrigere Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und höhere Löhne im öffentlichen Sektor sowie Subventionen für den Erwerb von Wohnimmobilien gestützt. Verstärkt wird dieser Effekt durch die niedrigen Leitzinsen, darunter den negativen Tagesgeldsatz. Eine allmähliche Rückführung der Konjunkturmaßnahmen würde das Überhitzungsrisiko verringern und die Inflationserwartungen eindämmen.

Die gute Wirtschaftslage bietet die Gelegenheit, die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu stärken, die Altersarmut zu senken und den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern. Zusätzlich sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die geografische Arbeitskräftemobilität zu erhöhen, die öffentlichen Beschäftigungsprogramme rascher zu kürzen und die frühkindliche Betreuung auszuweiten, die die Work-Life-Balance verbessern würde. Dies würde das Arbeitsangebot fördern und den Aufschwung verlängern.

Trotz der Wachstumsverlangsamung werden die inflationären Spannungen anhalten

Der Konjunkturaufschwung wird sich den Projektionen zufolge auf ein Tempo von gut 3% verlangsamen. Dies reicht aus, um eine fortgesetzte Beschäftigungsexpansion sicherzustellen. Der private Verbrauch wird dank der soliden Zunahme der Realeinkommen der wichtigste Wachstumsmotor bleiben. Die notwendige Ausweitung der Produktionskapazitäten stützt die Unternehmensinvestitionen. Die dynamische Inlandswirtschaft und die Kapazitätsengpässe tragen zum Importwachstum bei, während sich die Exporte unter dem Einfluss des schwächeren Welthandels und der steigenden Arbeitskosten verlangsamen. Die Abwärtsrisiken gehen vor allem von unerwartet starken Lohnsteigerungen aus, die zu zunehmenden Inflationserwartungen führen. Auch eine weitere Verlangsamung an den Exportmärkten würde die Wachstumsaussichten verschlechtern. Andererseits könnte ein niedrigerer Importpreisanstieg als in den Projektionen unterstellt die Preisentwicklung im Inland bremsen und den Aufschwung stützen.

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https://doi.org/10.1787/31045866-de

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