1887

OECD Multilingual Summaries

OECD-FAO Agricultural Outlook 2016-2025

Summary in German

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OECD/FAO‑Agrarausblick 2016‑2025

Zusammenfassung in Deutsch

Der Agrarausblick 2016‑2025 ist das Ergebnis eines Kooperationsprojekts der OECD und der FAO. Er vereint das Fachwissen beider Organisationen über Agrarerzeugnisse, Politikmaßnahmen und Länder sowie Beiträge von Mitgliedsländern, um eine Beurteilung der mittelfristigen Aussichten der nationalen, regionalen und globalen Märkte für Agrarerzeugnisse zu liefern. Der Ausblick enthält für 41 Länder und 12 geografische Regionen Schätzungen der Produktion, der Nachfrage, des Handels und der Preise für die wichtigsten Agrarerzeugnisse. Das Sonderkapitel der diesjährigen Ausgabe ist den Aussichten und Herausforderungen des Agrarsektors in Subsahara‑Afrika gewidmet.

Die Preise für die wichtigsten Anbaukulturen, tierischen Erzeugnisse und Fischprodukte sind 2015 zurückgegangen, was darauf hindeutet, dass die Ära der hohen Preise sehr wahrscheinlich in allen Teilsektoren vorüber ist. Die Fleischpreise sind von ihren Rekordständen 2014 gesunken, der Rückgang der Preise für Milchprodukte, der 2013 bzw. 2014 einsetzte, hat sich fortgesetzt, und die Preise für pflanzliche Erzeugnisse sind gegenüber ihren 2012 erreichten Höchstständen weiter gefallen. Die Hauptfaktoren für die gesunkenen Preise sind mehrere Jahre kräftigen Angebotswachstums, die Abschwächung des Nachfragewachstums infolge des allgemeinen Konjunkturabschwungs, die niedrigeren Ölpreise und die weitere Erhöhung bereits sehr großer Lagerbestände.

Über den hier zu Grunde gelegten Projektionszeitraum von zehn Jahren betrachtet, wird sich das Wachstum der Nahrungsmittelnachfrage voraussichtlich nach und nach verlangsamen. Das weltweite Bevölkerungswachstum, das die Haupttriebfeder von Nachfragesteigerungen ist, lässt nach, während das Einkommenswachstum in den aufstrebenden Volkswirtschaften schwächer ausfallen dürfte. Gleichzeitig sind die Verbraucher, vor allem in bevölkerungsreichen aufstrebenden Volkswirtschaften, immer weniger dazu bereit, Einkommenszuwächse für den Konsum von mehr Grundnahrungsmitteln auszugeben. Die Nachfrage nach Fleisch‑, Fisch‑ und Milchprodukten wird vergleichsweise kräftig zunehmen, was eine zusätzliche Nachfrage nach Futtermitteln nach sich ziehen wird, insbesondere nach Grobgetreide und eiweißhaltigen Futtermitteln. Die Nachfrage nach Agrarerzeugnissen für die Produktion von Biokraftstoffen wird den Projektionen zufolge auf Grund der niedrigeren Energiepreise und einer eher konservativen Biokraftstoffpolitik mehrerer Länder stagnieren.

Es wird davon ausgegangen, dass sich der Anteil der Menschen, die weltweit unterernährt sind, durch den in den Entwicklungsländern zu beobachtenden zunehmenden Verbrauch in den nächsten zehn Jahren von 11% auf 8% verringert, wobei die Gesamtzahl der unterernährten Menschen von 788 Millionen auf weniger als 650 Millionen sinkt. In Subsahara‑Afrika ist die Unterernährung jedoch nach wie vor hoch, und in zehn Jahren wird auf die Region mehr als ein Drittel der Gesamtzahl der weltweit unterernährten Menschen entfallen, im Vergleich zu derzeit etwas über einem Viertel. Viele Länder werden sich einer komplexen Belastung aus Unterernährung (zu wenig Kalorien), Fettleibigkeit und Mikronährstoffmangel (unausgewogene Ernährung stellt ein allgemeines Problem dar) gegenübersehen. Sowohl in Industriestaaten als auch in Entwicklungsländern wird der Verbrauch von Zucker, Ölen und Fetten voraussichtlich rascher zunehmen als der Verbrauch von Grundnahrungsmitteln und Proteinen, was weitgehend auf den steigenden Konsum verarbeiteter Nahrungsmittel zurückzuführen ist.

Den Projektionen zufolge wird die höhere Nahrungsmittelnachfrage durch Produktivitätssteigerungen gedeckt, wobei sich die Anbauflächen und Nutztierbestände nur geringfügig verändern. Ertragsverbesserungen dürften 80% des Anstiegs der pflanzlichen Erzeugung ausmachen. Es besteht ein gewisser Spielraum für eine nachhaltige Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen, hauptsächlich in Teilen Lateinamerikas und Subsahara‑Afrikas. Die neuen Anbauflächen werden in Afrika größtenteils für Getreide und in Lateinamerika für Sojabohnen bestimmt sein. Es wird erwartet, dass sich das Ertragswachstum in den wichtigsten Erzeugerländern abschwächt, da es zunehmend schwieriger wird, die Technologiegrenze zu verschieben. Viele Entwicklungsländer, insbesondere in Subsahara‑Afrika, weisen allerdings ein hohes Ertragsgefälle auf, und die Verringerung dieses Gefälles könnte das weltweite Angebot erheblich erhöhen.

Da sich das allgemeine Marktwachstum voraussichtlich verlangsamen wird, dürfte die Expansion des Agrarhandels in etwa nur halb so hoch ausfallen wie im vorangegangenen Zehnjahreszeitraum. Dennoch bleibt der an den Weltmärkten gehandelte Produktionsanteil für die meisten Erzeugnisse konstant. Angesichts der Tatsache, dass relativ wenige Länder über reichlich natürliche Ressourcen verfügen, wird dem Handel für die globale Ernährungssicherheit eine wichtigere Rolle zukommen. Der Handel mit Grundnahrungsmitteln wird jedoch durch Politikmaßnahmen zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln in einer Reihe von Ländern sowie durch eine strukturelle Änderung zu Gunsten von mehr Handel auf Wertschöpfungsbasis begrenzt.

Die globalen Exporte der meisten Agrarerzeugnisse konzentrieren sich auf nur wenige wichtige Lieferländer. Für alle im Ausblick erfassten Erzeugnisse entfallen mindestens 70% der Gesamtexporte auf die fünf wichtigsten Exporteure, wobei das Angebot bestimmter Erzeugnisse lediglich von zwei oder drei Ländern beherrscht wird. Auf der Importseite ist die Konzentration geringer, obwohl die Volksrepublik China (nachstehend „China“) ein entscheidender Markt für manche Produkte ist – insbesondere Sojabohnen, aber auch Milcherzeugnisse und Grobgetreide außer Mais. In den Projektionen wird unterstellt, dass sich die Nahrungsmittelimportabhängigkeit ressourcenarmer Regionen, vor allem Nordafrikas und des Nahen Ostens, verstärken wird.

Da sich das Angebots‑ und das Nachfragewachstum weitgehend decken, werden die realen Agrarpreise den Projektionen zufolge verhältnismäßig konstant bleiben. Es wird jedoch zu einigen Veränderungen der relativen Preise kommen, die sich aus Anpassungen bei der Zusammensetzung der Nachfrage und Unterschieden bei den Angebotsbedingungen erklären. So ist es z.B. verhältnismäßig leichter, die Produktion in Lateinamerika als in Asien zu erhöhen. Allgemein dürften die Preise für tierische Erzeugnisse im Verhältnis zu den Preisen für pflanzliche Erzeugnisse steigen, und die Preise für Grobgetreide und Ölsaaten werden sich voraussichtlich gegenüber den Preisen für Grundnahrungsmittel erhöhen. Diese strukturellen Trends werden wahrscheinlich noch stärker zu Tage treten, weil derzeit die Preise in allen Produktgruppen niedriger sind.

Der Ausblick ist mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet, darunter Schwankungen bei Ölpreisen, Erträgen und Wirtschaftswachstum. Wenn die in der Vergangenheit beobachteten Ausschläge bei diesen Faktoren fortbestehen, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es in den kommenden zehn Jahren mindestens eine heftige Preisschwankung geben wird. Derart ausgeprägte Preisschwankungen von einem Jahr zum anderen können langfristige Trends verdecken. Der Klimawandel kann diese Unsicherheit verstärken, vor allem wenn sich das Auftreten extremer Wetterereignisse vermehrt.

Darüber hinaus gibt es verschiedene politische Unsicherheiten. Eine bezieht sich beispielsweise auf Chinas jüngst angekündigte Änderungen seiner Getreidepolitik, einschließlich der Festsetzung der Inlandspreise und der Verwaltung der Lagerbestände. In diesem Ausblick wird unterstellt, dass China durch diese Änderungen sein innenpolitisches Ziel erreichen kann, einen hohen Selbstversorgungsgrad bei Mais aufrechtzuerhalten, ohne schwere Verwerfungen an den internationalen Märkten hervorzurufen. Zeitpunkt und Umfang des Bestandsabbaus stellen jedoch eine wesentliche Unsicherheit für die Projektionen dar. Ein weiteres Risiko ist das russische Importverbot, das voraussichtlich Ende 2017 auslaufen wird.

Subsahara‑Afrika

Die Region Subsahara‑Afrika zählt mehr als 950 Millionen Einwohner bzw. rd. 13% der Weltbevölkerung. Trotz der laufenden Transformation der Volkswirtschaften der Region bleibt die Landwirtschaft ein äußerst wichtiger Sektor, der den Lebensunterhalt für Millionen Menschen sicherstellt. Die zwischen den Volkswirtschaften der Region zu beobachtenden Unterschiede bei der Struktur und der Entwicklung der Landwirtschaft geben Aufschluss über die großen agro‑ökologischen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Differenzen des Kontinents. Unterernährung stellt seit langem eine Herausforderung dar, wobei die in der Region erzielten Fortschritte im Hinblick auf die Ernährungssicherheit uneinheitlich sind.

Die Entwicklung des Agrarsektors der Region wird durch das rasche Bevölkerungswachstum, die Verstädterung, die Diversifizierung im ländlichen Raum, den damit einhergehenden Strukturwandel von der landwirtschaftlichen zur nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung, die Entstehung einer neuen Mittelschicht und das wachsende Interesse (sowohl vor Ort als auch weltweit) an den landwirtschaftlichen Nutzflächen des Kontinents beeinflusst. Die landwirtschaftliche Gesamtproduktion wird den Projektionen zufolge jährlich um 2,6% expandieren. Im Gegensatz zu den bisherigen Produktionssteigerungen, die im Allgemeinen auf eine Ausweitung der Anbauflächen zurückzuführen waren, wird das künftige Produktionswachstum zunehmend von Produktivitätsfortschritten ausgehen. Eine inklusive Entwicklung ist vonnöten, um die Produktivität ressourcenarmer Kleinbauern zu verbessern und zugleich mehr ländliche Entwicklungschancen zu schaffen.

Unter der Annahme, dass sich das rasche Bevölkerungswachstum in der Region fortsetzt, die Einkommen steigen und die gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen und Marktstrukturen beibehalten werden, dürfte die Produktion von Nahrungskulturen in vielen Ländern langsamer wachsen als die Nachfrage. Es wird davon ausgegangen, dass Subsahara‑Afrikas Nettoimporte von Grundnahrungsmitteln in den nächsten zehn Jahren zunehmen werden, wenngleich produktivitätssteigernde Investitionen diesen Trend mildern würden.

Viele Erzeugerländer sind wettbewerbsfähig und exportieren regelmäßig Obst sowie Agrarprodukte zur Herstellung von Getränken, was zur Erhöhung der Devisenreserven beiträgt. Diese Erzeugnisse bieten den Landwirten u.U. Alternativen zu den traditionellen Nahrungskulturen. Sie können auch eine potenziell wichtige Beschäftigungsquelle für die junge Bevölkerung des Kontinents darstellen. Da die Nahrungsmittelexporteure zahlenmäßig begrenzt sind und die Zahl der Nettoimporteure hoch ist, wird ein offener regionaler Handel von entscheidender Bedeutung sein, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

Der Ausblick für die Landwirtschaft in Subsahara‑Afrika ist zwar weitgehend positiv, er könnte aber durch eine stabilere Politik in der Region, strategische öffentliche und private Investitionen, vor allem in die Infrastruktur, und entsprechend angepasste Forschung und Beratung wesentlich verbessert werden. Die Investitionen könnten den Marktzugang verbessern, Verluste bei der Nachernte reduzieren und die notwendigen Vorleistungen auf breiterer Basis verfügbar machen.

© OECD

Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.

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© OECD/FAO (2016), OECD-FAO Agricultural Outlook 2016-2025, OECD Publishing.
doi: 10.1787/agr_outlook-2016-en

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