1887

OECD Multilingual Summaries

Perspectives on Global Development 2014

Boosting Productivity to Meet the Middle-Income Challenge

Summary in German

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Die komplette Publikation finden Sie unter:
10.1787/persp_glob_dev-2014-en

Perspektiven der globalen Entwicklung 2014

Die Produktivität steigern, um den Herausforderungen der Länder mit mittlerem Einkommen zu begegnen

Zusammenfassung in Deutsch

Viele Länder der mittleren Einkommensgruppe sind nicht auf Kurs, sich dem Pro‑Kopf‑Einkommen der OECD‑Länder anzunähern: Das starke Wachstum, das während eines Großteils des letzten Jahrzehnts zu verzeichnen war, hat den Anteil der Entwicklungsländer an der Weltwirtschaft deutlich erhöht. Aber wird dieser Prozess der „Wohlstandsverlagerung“ es diesen Ländern letztlich ermöglichen, zum durchschnittlichen Pro‑Kopf‑Einkommen des OECD‑Raums aufzuschließen? Nach einer langen Periode beeindruckender Fortschritte hat in einigen Volkswirtschaften der mittleren Einkommensgruppe eine Verlangsamung der Wachstumsraten eingesetzt. Bei den derzeitigen Wachstumsraten wird es einigen Ländern der mittleren Einkommensgruppe nicht gelingen, bis 2050 das durchschnittliche Einkommensniveau der OECD‑Länder zu erreichen. Diese Herausforderung wird durch die Konjunkturabschwächung in China, dessen rasches Wachstum sich bisher positiv auf die Nachbarländer und Zulieferer, insbesondere Rohstoffexporteure, auswirkte, noch verschärft.

Produktivitätswachstum ist von entscheidender Bedeutung: Während des Übergangs einer Volkswirtschaft weg von der unteren Einkommensstufe wird die Produktivität gesteigert, indem der Faktor Arbeit von Sektoren mit niedriger Produktivität in Sektoren mit höherer Produktivität verlagert wird. Diese Verlagerung kann selbst in Ländern der mittleren Einkommensgruppe, beispielsweise in Indien und Indonesien, ein wichtiger Faktor bleiben. Sobald sich dieser Prozess verlangsamt, muss der Schwerpunkt jedoch zunehmend auf Produktivitätssteigerungen innerhalb der einzelnen Sektoren gelegt werden. Diese Neuausrichtung zeigt sich in der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssteigerung in den OECD‑Ländern. Sie zeigt sich außerdem in China, wo die Produktivität in vielen Sektoren des Verarbeitenden Gewerbes gesteigert wurde, indem das Land durch ausländische Direktinvestitionen und die Einfuhr von Investitionsgütern und Bauteilen Zugang zum globalen Wissen erhielt.

Die Produktivität steigt jedoch nur langsam: Eine andauernde Konvergenz erfordert eine Beschleunigung des Produktivitätswachstums. Das Produktivitätswachstum leistete in den letzten zehn Jahren in vielen Ländern der mittleren Einkommensgruppe nur einen geringen Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Es war darüber hinaus nicht stark genug, um den enormen Produktivitätsrückstand gegenüber den fortgeschrittenen Ländern deutlich zu verringern. In Brasilien, Mexiko und der Türkei hat sich der Abstand sogar noch vergrößert. Im Gegensatz dazu war in China ein beeindruckendes Produktivitätswachstum zu verzeichnen: Die Arbeitsproduktivität stieg um rd. 10% pro Jahr, und die Gesamtfaktorproduktivität stieg im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor jährlich um mehr als 7%. Indien verzeichnete in den letzten zehn Jahren ebenfalls einen deutlichen Anstieg der Gesamtfaktorproduktivität, wenngleich der Abstand zwischen Indien und den fortgeschrittenen Volkswirtschaften nach wie vor erheblich ist.

Einige traditionelle Antriebskräfte des Wachstums verlieren an Bedeutung: Produktivitätswachstum ist besonders wichtig, weil viele Länder der mittleren Einkommensgruppe die Vorteile, die Volkswirtschaften der unteren Einkommensgruppe normalerweise besitzen, nicht länger nutzen können, sobald sie die mittlere Einkommensstufe erreichen. Dazu zählen niedrige Arbeitskosten und schnelles Wachstum, das durch die auf ausländischen Direktinvestitionen beruhende Entwicklung von Exportbranchen angetrieben wird. Darüber hinaus wird das Wachstum in den Ländern der mittleren Einkommensgruppe durch die demografische Entwicklung beeinträchtigt. Der Aufstieg zu einem Land der mittleren Einkommensgruppe geht oft mit einem demografischen Wandel einher, bei dem die Sterberaten schneller zurückgehen als die Geburtsraten, wodurch der Anteil der Personen im Erwerbsalter zunimmt. Einige Regionen können noch von dieser demografischen Dividende profitieren, namentlich Südasien und Subsahara‑Afrika. In anderen Regionen geht die demografische Dividende jedoch zurück.

Die Volkswirtschaften der mittleren Einkommensgruppe können die Produktivität durch folgende Maßnahmen steigern:

  • Eine kontinuierliche Diversifizierung zu Gunsten von Sektoren mit höherer Wertschöpfung in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen: In Ländern der mittleren Einkommensgruppe mit steigenden Löhnen und großen Rohstoffvorkommen ist Diversifizierung besonders wichtig.
  • Innovation durch die Nutzung globalen Wissens und die Entwicklung inländischer Kapazitäten: Selbst die weiter fortgeschrittenen Länder der mittleren Einkommensgruppe haben im technologischen Bereich noch erhebliches Aufholpotenzial. Neben einer besseren Integration in das globale Handelssystem und der Erschließung ausländischen Wissens durch Handel, ausländische Direktinvestitionen sowie andere Mittel sollten die Länder außerdem ihre Innovationskraft stärken, um neue Produkte und Verfahren zu entwickeln, die besser auf ihre eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind, und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.
  • Reform der Produkt‑, Arbeits‑ und Finanzmärkte sowie Kompetenzentwicklung: In vielen Ländern der mittleren Einkommensgruppe wird die Entwicklung wettbewerbsfähiger innovativer Unternehmen oft durch ein unzureichendes regulatorisches Umfeld und fehlende Kompetenzen beeinträchtigt.
  • Förderung wettbewerbsfähiger Dienstleistungssektoren: Der inländische Dienstleistungssektor kann wachsen, um die Nachfrage der wachsenden Mittelschicht zu befriedigen. Er kann außerdem die Wettbewerbsfähigkeit des Verarbeitenden Gewerbes erhöhen und eine Quelle für Exporteinnahmen sein.

Sie können darüber hinaus die „alten“ Antriebskräfte des Wachstums durch folgende Maßnahmen weiter nutzen:

  • Verlagerung des Faktors Arbeit zu Sektoren mit höherer Produktivität: Viele Länder der mittleren Einkommensgruppe, darunter Indien, Indonesien, Iran und Malaysia, können weiterhin Nutzeffekt erzielen, wenn in der Landwirtschaft, im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich tätige Arbeitskräfte in Branchen mit höherer Produktivität wechseln.
  • Ausschöpfung des durch Faktorakkumulation angetriebenen Wachstums: Die meisten Länder der mittleren Einkommensgruppe haben noch Spielraum, den Arbeitseinsatz und die Akkumulation von Human‑ und Sachkapital zu verbessern. Darüber hinaus kann die Effizienz des Produktionsfaktoreinsatzes verbessert werden.

Sie können die Nutzeffekte des Wachstums durch folgende Maßnahmen besser verteilen:

  • Sicherung der Chancengleichheit: In vielen Ländern der mittleren Einkommensgruppe ist Armut nach wie vor weit verbreitet, und/oder die Einkommensungleichheit ist in den letzten zehn Jahren gestiegen. Die Unzufriedenheit der „Mittelschicht“ über den Lebensstandard und die fehlende Mitsprache im Entscheidungsprozess hat in einigen Volkswirtschaften der mittleren Einkommensgruppe zu Spannungen geführt. Diesen sozialen Spannungen muss durch die Bereitstellung besserer öffentlicher Güter, die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen, die Schaffung von Beschäftigungschancen und mehr Mitsprache in der Wirtschaft entgegengewirkt werden.
  • Entwicklung einer effektiven Regionalpolitik zur Förderung eines ausgewogeneren Wachstums und Verringerung der regionalen Disparitäten: Dies erfordert die Identifizierung regionaler Wettbewerbsvorteile und die Ausrichtung der öffentlichen Dienstleistungen auf die lokalen Bedürfnisse mit der Fokussierung auf bevölkerungsreiche arme Gebiete.
  • Verbesserung der Energieeffizienz und der ökologischen Nachhaltigkeit: Die Diversifizierung hin zu weniger energieintensiven Sektoren und die Einführung energieeffizienter Technologien würden die Anfälligkeit gegenüber Energiepreisschwankungen sowie Veränderungen des Regulierungsumfelds und von Präferenzen verringern. Darüber hinaus muss der ökologischen Nachhaltigkeit bei der Erarbeitung erfolgreicher Entwicklungsstrategien mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Und sie können die Effizienz der staatlichen Verwaltung durch folgende Maßnahmen erhöhen:

  • Ausbau der Kapazitäten zur Formulierung und Umsetzung von Plänen: Eine Verbesserung der Ausbildung der Staatsbediensteten und der Koordinierung zwischen den Ministerien ist von entscheidender Bedeutung, um eine effektive Planung und Umsetzung zu gewährleisten. Mutige Strategieänderungen können politisch schwierig und kostspielig sein, ohne Veränderungen sind die Folgen jedoch noch schwerwiegender. Effektive Kommunikationsstrategien und die richtige zeitliche Planung und Abfolge sind entscheidend, um eine breite Unterstützung der Beteiligten für die Umsetzung dieser Reformen zu gewinnen.

© OECD

Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.

Die Wiedergabe dieser Zusammenfassung ist unter Angabe der Urheberrechte der OECD sowie des Titels der Originalausgabe gestattet.

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OECD

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© OECD (2014), Perspectives on Global Development 2014: Boosting Productivity to Meet the Middle-Income Challenge, OECD Publishing.
doi: 10.1787/persp_glob_dev-2014-en

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