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Die Wirtschaft wird eine Phase verhaltenen Wachstums durchlaufen. Eine Verlangsamung des Außenhandels und die anhaltende Unsicherheit in der Handelspolitik schwächen die Exporte und dämpfen die Unternehmensinvestitionen. Der Arbeitsmarkt hat sich dynamisch entwickelt, was die Einkommen stützte, das Beschäftigungswachstum wird sich jedoch verlangsamen. Die Arbeitslosenquote wird nicht mehr sinken, aber auf einem niedrigen Niveau verharren.

Die kanadische Zentralbank sollte die Zinssätze in den kommenden Quartalen geringfügig senken, um die Nachfrage zu stützen. Dies wird dazu beitragen, die Inflation nahe der Mitte des Zielkorridors zu halten. Eine mäßige strukturelle fiskalische Lockerung wird die Konjunktur stützen. Der Wohnimmobilienmarkt weist weiterhin Risiken auf. Nach einer Stabilisierungsphase, die durch makroprudenzielle Maßnahmen gefördert wurde, gibt es Anzeichen für eine Belebung. Das Angebot an erschwinglichem Wohnraum sollte erhöht und sozialer Wohnraum besser instandgehalten und gezielter vergeben werden.

Das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt

Die größere Unsicherheit in der globalen Handelspolitik und das geringere Wachstum bei den Handelspartnern haben die Exporte gedämpft. Die staatlich verfügten Kürzungen der Ölfördermengen in Alberta haben das Exportwachstum weiter gebremst, wurden aber inzwischen gelockert, was eine vorübergehende Belebung der Exporte ausgelöst hat. Die Inlandsnachfrage bleibt schwach. Die Unternehmensinvestitionen sind aufgrund von Kürzungen im Öl- und Gassektor und erhöhter Unsicherheit zurückgegangen. Die Pläne der Unternehmen für Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen sind volatil. Die Wohnungsbauinvestitionen haben sich hingegen unter dem Einfluss des erneuten Anstiegs der Wohnimmobilienpreise belebt.

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Exports and investment: Canada
Exports and investment: Canada

Source: OECD Economic Outlook 106 database and Bank of Canada.

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934045107

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Canada: Demand, output and prices
Canada: Demand, output and prices

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934046209

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Labour market and wage growth: Canada
Labour market and wage growth: Canada

1. Median of hourly wage growth measures from the Labour Force Survey, National Accounts, Productivity Accounts, and Survey of Employment, Payrolls and Hours.

2. Average of the Bank of Canada's three preferred core inflation measures (CPI-trim, median and common).

Source: OECD Economic Outlook 106 database; Refinitiv; and Bank of Canada.

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934045126

Das Beschäftigungswachstum hat sich zusammen mit einem starken Anstieg der Bevölkerungszahl und der Erwerbsbeteiligung deutlich erhöht. Die Arbeitslosenquote ist weiter auf Rekordtiefstände gesunken. Das Lohnwachstum gewinnt an Dynamik. Die Verbraucherausgaben wachsen jedoch langsamer als die Einkommen, da die hochverschuldeten privaten Haushalte allmählich vorsichtiger agieren und das Kreditwachstum nachlässt. Der Verbraucherpreisauftrieb nahm im Jahresverlauf zu und ging erst in jüngster Zeit zurück, was z.T. auf sinkende Energiepreise zurückzuführen war. Die Trendrate der Inflation verharrt im Durchschnitt der von der kanadischen Zentralbank herangezogenen Messgrößen bei rd. 2%. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen geht nun davon aus, dass sich die Inflation in den nächsten zwei Jahren in der unteren Hälfte des mittelfristigen Zielkorridors von 1-3% bewegen wird.

Die Politik sollte konjunkturstützend ausgerichtet sein

Die kanadische Zentralbank hat den Leitzins trotz des langsameren Wachstums und der sich verschlechternden Weltwirtschaft seit Ende 2018 unverändert bei 1,75% belassen. Angesichts der projizierten andauernden Wachstumsschwäche, der verhaltenen Entwicklung des Welthandels und einer Lockerung der globalen finanziellen Rahmenbedingungen dürfte der Leitzins in zwei Schritten – einmal vor Ende 2019 und einmal im ersten Halbjahr 2020 – auf 1,25% gesenkt werden. Der gesamtstaatliche fiskalpolitische Kurs wird Schätzungen zufolge trotz der im Haushalt von Ontario für 2020 und im Bundeshaushalt für 2021 vorgesehenen kontraktiven Maßnahmen leicht konjunkturstützend sein, wobei der strukturelle Primärüberschuss in den kommenden zwei Jahren insgesamt zurückgehen dürfte. Die Lockerung ist angesichts des langsameren Wachstums angemessen.

Die Aktivität am Wohnimmobilienmarkt hat sich belebt und die Preise zeigen unter dem Einfluss eines robusten Bevölkerungswachstums, eines dynamischen Arbeitsmarkts und niedrigerer Hypothekenzinsen Anzeichen für eine Erholung. Dem war eine Stabilisierung des Markts nach einem starken Anstieg der Wohnimmobilienpreise vorangegangen. Die Verschuldung der privaten Haushalte ist im internationalen Vergleich weiterhin hoch, die privaten Haushalte werden jedoch voraussichtlich beginnen, ihre Schulden abzubauen, und das Kreditwachstum der privaten Haushalte hat sich verlangsamt. Da die Geldpolitik den Projektionen zufolge gelockert wird, muss der Entwicklung am Wohnimmobilienmarkt besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die makroprudenziellen Maßnahmen sollten bei Bedarf wieder verschärft werden. Um Wohnraum bezahlbarer zu machen und die Wartelisten für Sozialwohnungen zu verkürzen, sollte das Angebot an erschwinglichem Wohnraum ausgeweitet und der Bestand an sozialem Wohnraum besser instandgehalten sowie gezielter vergeben werden.

Das Wachstum wird gedämpft bleiben

Die hohe globale Unsicherheit wird voraussichtlich länger andauern als zunächst erwartet, und der Handel wird schwach bleiben. Das Geschäftsklima und die Investitionstätigkeit werden sich den Projektionen zufolge in Kanada nur allmählich erholen. Die Ausfuhren und Einfuhren werden verhalten bleiben. Der private Konsum wird das Wachstum stützen, das Ausgabenverhalten der privaten Haushalte wird jedoch aufgrund der Unsicherheit, des sich abkühlenden Arbeitsmarkts und des Schuldenabbaus weiterhin von Zurückhaltung geprägt sein. Die Arbeitslosenquote wird niedrig bleiben, die Inflation wird nahe der Mitte des Zielkorridors verharren, und das Lohnwachstum wird verhalten bleiben.

Die hohe Verschuldung der privaten Haushalte stellt nach wie vor eine große binnenwirtschaftliche Anfälligkeit dar. Eine starke Konjunkturabkühlung würde die Einkommen der privaten Haushalte belasten und könnte zu niedrigeren Konsumausgaben sowie einer Abschwächung der Wohnimmobiliennachfrage führen. Sollten die Wohnimmobilienpreise hingegen stärker steigen, könnte dies zu einer Zunahme der Ungleichgewichte führen. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass das USA-Mexiko-Kanada-Abkommen nicht ratifiziert wird oder dass der Zugang zum US-Markt künftig zu ungünstigeren Bedingungen erfolgt. Andererseits würde ein Anstieg der Ölpreise die Einnahmen steigern, was zu einem höheren Wirtschaftswachstum führen würde.

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https://doi.org/10.1787/31045866-de

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