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Das BIP-Wachstum der Festlandwirtschaft wird etwas nachgeben, da die Kapazitätsengpässe zunehmend spürbar sind. Das BIP-Wachstum bleibt über dem Trend und die schwindenden Kapazitätsüberhänge dürften sich in einem stärkeren Lohnwachstum und einem kontinuierlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit niederschlagen.

In Anbetracht des über der Trendrate liegenden Wachstums sind die allmähliche geldpolitische Straffung der norwegischen Zentralbank und der neutral ausgerichtete Kurs der Fiskalpolitik angemessen. Angesichts der Risiken, die auf dem Wohnimmobilienmarkt und der Hypothekenkreditvergabe lasten, sowie der hohen Ungewissheit in Bezug auf den Ölpreis und sich eintrübender globaler Konjunkturaussichten, müssen die zuständigen Stellen aber wachsam bleiben. In der Strukturpolitik sollte der Schwerpunkt darauf liegen, die Beschäftigungschancen von gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu verbessern und die Effizienz der öffentlichen Ausgaben zu steigern.

Das Wirtschaftswachstum hat etwas nachgelassen

Das Produktionswachstum in Norwegens Festlandwirtschaft (d.h. ohne Erdöl- und Gasförderung) hat sich in den letzten Quartalen etwas abgeschwächt, liegt aber weiterhin über der Potenzialrate. An den Arbeits- und Produktmärkten spannt sich die Lage weiter an. Die Arbeitslosenquote ist rückläufig, das Lohnwachstum zieht an und die Gesamtinflation hat die 2%-Zielvorgabe überschritten, was z.T. der Wechselkursabwertung zuzuschreiben ist. Die nach dem Tiefstand Ende 2018 erneut steigenden Ölpreise beleben die Wirtschaftstätigkeit im Erdölsektor. Das solide Wachstum des Verbrauchs der privaten Haushalte und die Tatsache, dass der Wohnungsbaumarkt die Talsohle durchschritten hat, stützen die Gesamtwirtschaft. Darüber hinaus nehmen die Importe im Vergleich weniger stark zu. Jüngste Exportdaten (ohne Erdöl) zeichnen ein uneinheitliches Bild, das auf Schwächen bei den Dienstleistungsexporten, aber Stärken bei den Warenexporten hindeutet.

Die Wohnimmobilienpreise steigen nach einigen Abwärtsanpassungen erneut, allerdings in moderatem Tempo. Dennoch bleibt der Bestand an unverkauften Wohnimmobilien hoch, und der Verkauf von Immobilien dauert länger, was auf eine weitere Abwärtskorrektur hindeuten mag. Die Verschuldungsquote der privaten Haushalte ist nach wie vor hoch.

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Economic activity and house prices: Norway
Economic activity and house prices: Norway

1. Estimates for 2019Q1.

Source: OECD Economic Outlook 105 database; Statistics Norway; and Real Estate Norway (Eiendom Norge).

 StatLink https://doi.org/10.1787/888933934812

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Norway: Demand, production and prices
Norway: Demand, production and prices

 StatLink https://doi.org/10.1787/888933935705

Der fiskal- und geldpolitische Impuls wurde zurückgenommen

Die Haushaltsergebnisse der Zentralregierung für 2018 bestätigen den erfolgreichen Umstieg auf einen neutralen fiskalpolitischen Kurs, um dem Anstieg des Produktionswachstums Rechnung zu tragen und die Einhaltung der Haushaltsregel zu gewährleisten – wonach das strukturelle Defizit im Zeitverlauf 3% des Werts des Ölfonds (Government Pension Fund Global) entsprechen sollte. Das strukturelle Defizit konnte in den vergangenen Jahren unter dem Referenzwert von 3% gehalten werden. Die Regierung wird bei einem weiterhin über dem Trend liegenden Wachstum voraussichtlich an ihrem neutralen Kurs festhalten. Auf die beiden Zinserhöhungen seit September 2018 (zuletzt eine Leitzinsanhebung von 0,75% auf 1% im März) wird die norwegische Zentralbank voraussichtlich eine weitere Straffung folgen lassen.

Angesichts der sich anspannenden Arbeitsmarktlage kommen Fragen in Bezug auf Arbeitsangebot und Kompetenzen auf. Eine von der Regierung eingesetzte Kommission hat weitreichende Empfehlungen formuliert, von denen viele darauf abzielen, eine Politik zu korrigieren, die zu einer hohen Inanspruchnahme von Krankenurlaub und Erwerbsunfähigkeitsleistungen geführt hat. Viele der Anspruchsberechtigten gehören zu den schwächeren Teilen der Gesellschaft. Der Effizienz der öffentlichen Ausgaben muss größere Aufmerksamkeit gewidmet werden, da sich die budgetären Probleme auf längere Sicht verschärfen. Das liegt daran, dass der Wert des Ölfonds im Vergleich zum BIP voraussichtlich stetig fallen wird, die öffentlichen Ausgaben durch die Bevölkerungsalterung unter Druck geraten werden und die Besteuerungsgrundlage, insbesondere für Kraftfahrzeuge (und damit verbunden für Kraftstoffe), schrumpfen wird.

Das Produktionswachstum der Festlandwirtschaft wird angesichts der erheblichen Abwärtsrisiken nachlassen

Den Projektionen zufolge wird das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktion der Festlandwirtschaft weiter über der Potenzialrate liegen, sich 2019 und 2020 jedoch auf etwa 2% abschwächen. Die Kapazitätsengpässe werden sich weiter verschärfen, und insbesondere einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote zur Folge haben. Der Verbraucherpreisauftrieb dürfte auf kurze Sicht nachlassen, wenn der von der Wechselkursabwertung ausgehende Preisdruck abklingt, danach aber wieder allmählich anziehen.

Bei diesen Projektionen überwiegen die Abwärtsrisiken. Schlechtere globale Konjunkturaussichten können die Ölpreise nach unten drücken, was auf die Einkommen und die gesamtwirtschaftliche Produktion durchschlagen könnte, auch wenn die erheblichen Kostensenkungen im Erdölsektor die Widerstandsfähigkeit gegenüber solchen Schocks erhöht haben. Ein tiefergreifender Abschwung in Europa könnte die Nichtölexporte weiter reduzieren. Auch umfassende Korrekturen auf dem Wohnungsmarkt und mögliche negative Auswirkungen des hohen Kreditumfangs der privaten Haushalte sind nach wie vor erhebliche Risiken in den Projektionen, insbesondere, was den Konsum der privaten Haushalte betrifft. Das Lohnwachstum könnte dagegen stärker ausfallen als erwartet, was die Gesamtnachfrage ankurbeln und etwaige negative Rückkopplungseffekte vom Wohnimmobilienmarkt abfedern würde.

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https://doi.org/10.1787/43e485a3-de

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