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Das Pro-Kopf-BIP wächst seit mehreren Jahren stetig um rd. 4% jährlich. Den Projektionen zufolge wird sich die von der Inlandsnachfrage getragene Expansion trotz außenwirtschaftlicher Belastungen im Zeitraum 2020-2021 fortsetzen. Zunehmende Einkommen und eine niedrige Inflation dürften den Ausgaben der privaten Haushalte Auftrieb geben. Das Investitionswachstum wird sich wieder beschleunigen, u.a. aufgrund von Infrastrukturprojekten. Auf kurze Sicht belastet das schwächere Welthandelswachstum die Exporte.

Die indonesische Zentralbank hat eine Lockerung der Geldpolitik eingeleitet, um das Wachstum zu stützen. Sie verfügt noch über Spielraum, um die Zinsen weiter zu senken. Zudem hat sie makroprudenzielle Instrumente eingeführt, um die Geldpolitik stärker akkommodierend auszurichten. Die Fiskalpolitik wird voraussichtlich weitgehend neutral sein und das Haushaltsdefizit dürfte deutlich unter der Grenze von 3% des BIP verharren. Ein ambitioniertes Regulierungsreformprogramm könnte dazu beitragen, das Geschäftsklima aufzuhellen, die Investitionstätigkeit anzukurbeln und die Beschäftigung im formellen Sektor zu stärken. Durch Senkungen der Subventionen für fossile Energieträger, ergänzt durch gezieltere Sozialleistungen, ließen sich die ökologischen und sozialen Ergebnisse verbessern.

Das Wachstum bleibt robust

Sinkende Armutsraten, ein geringer Preisauftrieb, ein solides Beschäftigungswachstum und Sozialhilfeprogramme stützen die Einkommen und den Verbrauch. Das Verbrauchervertrauen ist etwas gesunken, aber immer noch hoch. Die Inflation ist niedrig. Aufgrund des Beschlusses, die Preise für Brennstoffe und Elektrizität 2018-2019 einzufrieren, blieb der Auftrieb bei den administrierten Preisen begrenzt. Das Wachstum der Investitionstätigkeit hat sich ausgehend von einem hohen Tempo verlangsamt. Dies ist z.T. dadurch bedingt, dass einige staatliche Investitionsvorhaben aufgeschoben wurden, um die Einfuhren zu senken. Die Bankkreditvergabe zur Finanzierung von Investitionen expandiert allerdings kräftig.

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Poverty rates and exports: Indonesia
Poverty rates and exports: Indonesia

1. The poverty line is based on the minimum expenditure for food equivalent to 2 100 kilocalories per day, and basic housing, clothing, education and health needs.

Source: CEIC database.

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934045525

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Indonesia: Demand, output and prices
Indonesia: Demand, output and prices

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934046513

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Interest rates and budget deficit: Indonesia
Interest rates and budget deficit: Indonesia

1. Data for 2019 and 2020 are budgeted figures.

Source: CEIC database; and OECD Economic Outlook 106 database.

 StatLink https://doi.org/10.1787/888934045544

Das Exportwachstum hat sich verlangsamt. Staatliche Maßnahmen zur Verringerung der Energieimporte – durch die Umlenkung von Exporten in die inländische Nutzung – haben zu einem drastischen Rückgang der Ein- und Ausfuhren geführt. Auch in anderen Sektoren nehmen die Exporte nur schwach zu. Preisrückgänge bei wichtigen Rohstoffen belasten die Exporteinnahmen und die Terms of Trade. Insgesamt wurde das Leistungsbilanzdefizit dadurch im vergangenen Jahr auf 2,9% des BIP begrenzt.

Die Geld- und Fiskalpolitik ist weiter bemüht, das richtige Gleichgewicht zwischen Stabilität und Wachstum zu finden

Vor einem Jahr standen in der Geldpolitik aufgrund von Kapitalabflüssen noch die Stabilitätsüberlegungen im Vordergrund. Inzwischen richtet sich der Fokus wieder stärker auf das Wirtschaftswachstum. Dank der von führenden Zentralbanken vorgenommenen geldpolitischen Lockerung verfügt die indonesische Zentralbank über Spielraum für Zinssenkungen, ohne Abstriche bei der Stabilität machen zu müssen. Von Juli bis Oktober senkte sie die Leitzinsen um 100 Basispunkte. Die Kreditzinsen der Banken und die Renditen langfristiger Staatsanleihen sind erheblich zurückgegangen, was günstigere finanzielle Rahmenbedingungen impliziert. Das Inflationsziel wird 2020 auf 3% ±1% herabgesetzt werden. Es wird damit gerechnet, dass sich die Teuerung in diesem Bereich bewegen wird, sodass die Zinssätze weiter gesenkt werden können.

Die Zentralbank nutzt aktiv makroprudenzielle Instrumente, um ihren geldpolitischen Kurs insgesamt stärker akkommodierend auszurichten. Sie hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um für niedrigere Zinssätze zu sorgen und eine Ausweitung der Kreditvergabe zu fördern. Beispielsweise wurden die Beleihungsgrenzen für den ersten Kredit auf eine Immobilie aufgehoben, wenn die Banken bestimmte Kriterien erfüllen. Die zahlreichen Maßnahmen zur Förderung der Kreditvergabe können zwar das Wachstum ankurbeln, sind jedoch auch mit Risiken verbunden. Daher sollten die Kreditvergabestandards der Banken genau beobachtet werden, damit auf Zeichen einer Verschlechterung der Kreditqualität reagiert werden kann. Die anhaltenden Bemühungen zur Vertiefung der Finanzmärkte werden die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems stärken.

Es wird mit einer im Großen und Ganzen neutralen Fiskalpolitik gerechnet. Die Anstrengungen der Regierung dürften sich darauf richten, das Gesamtdefizit einzudämmen und das Wachstum über die Einnahmen- und Ausgabenstruktur zu fördern. Das Haushaltsdefizit der Zentralregierung wird sich 2020 voraussichtlich auf unter 2% des BIP verringern. Es ist reichlich Spielraum vorhanden, um im Fall einer Eintrübung der Wachstumsaussichten Maßnahmen zu ergreifen. Die Infrastrukturausgaben sollen durch Garantien und andere Instrumente zur Förderung öffentlich-privater Partnerschaften angekurbelt werden. In Anbetracht der damit verbundenen Haushaltsrisiken sollten allerdings auch Alternativen wie Konzessionsvergabe und ausländische Direktinvestitionen gefördert werden. Die Sozialleistungen könnten gezielter ausgerichtet werden, wenn die – direkten wie indirekten – Subventionen für fossile Energieträger nach und nach durch Transferleistungen ersetzt würden.

Die zur Umsetzung der Ausgabenpläne erforderliche Erhöhung der Einnahmen stellt nach wie vor eine große Herausforderung dar. Die niedrigeren Rohstoffpreise und der Handelsrückgang wirken sich negativ auf die Einnahmen aus. Gleiches gilt für die neuen Steueranreize, mit denen die Investitionstätigkeit gefördert werden soll. Daher sollten nichtsteuerliche Faktoren angegangen werden, die bei Investitionsstandortentscheidungen der Unternehmen eine größere Rolle spielen dürften. Die Verbesserung der Steuerdisziplin ist indessen nach wie vor von entscheidender Bedeutung. Hier gilt es, einerseits bei den Verwaltungsverfahren anzusetzen, um die freiwillige Einhaltung der Steuervorschriften zu erleichtern, und andererseits die verfügbaren Daten besser zu nutzen, um den Steuervollzug zu stärken.

Es bedarf weiterer Reformen, um die Investitionstätigkeit und die Arbeitsplatzschaffung im privaten Sektor zu steigern und die Produktivität zu erhöhen. Die Straffung und Vereinfachung des Regulierungsrahmens für die Unternehmenstätigkeit sollte weiterhin Vorrang haben. Das einheitliche elektronische System zur Beantragung einer Gewerbeerlaubnis wird weiter verbessert. Bei diesen Arbeiten sollte auch das Feedback der Nutzer berücksichtigt werden. Eine weniger strenge Arbeitsmarktregulierung in Verbindung mit Maßnahmen zur Unterstützung der Arbeitskräfte würde formelle Einstellungen erleichtern. Wie bereits erörtert, sollten weitere Sektoren für ausländische Investitionen geöffnet werden. Zudem ist es unerlässlich, den Kampf gegen die Korruption fortzusetzen. Auch die Unsicherheit über die Politikausrichtung im Bergbausektor sollte beseitigt werden. Zugleich müssen manche Rechtsvorschriften wirkungsvoller durchgesetzt werden. Dies wird an den zahlreichen Waldbränden deutlich, zu denen es trotz verschärfter Vorschriften gegen die illegale Rodung von Torfmoorgebieten kommt.

Die Wirtschaftslage im Inland wird trotz außenwirtschaftlicher Belastungen solide bleiben

Das BIP-Wachstum wird den Projektionen zufolge im Zeitraum 2020-2021 bei rd. 5% verharren. Die anhaltenden Beschäftigungszuwächse, die Ausweitung der Sozialhilfe und die niedrigeren Zinssätze werden ein kräftiges Konsumwachstum stützen. Die Investitionen dürften sich dank der Beendigung der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Wahlen und der günstigeren finanziellen Rahmenbedingungen beleben. Die aufgeschobenen Infrastrukturvorhaben werden 2020 wohl wieder aufgenommen werden. Die Wachstumsverlangsamung in China wird die Ausfuhren bremsen. Dies wird z.T. jedoch durch eine steigende Nachfrage in anderen wichtigen Handelspartnerländern kompensiert werden. Die Inflation dürfte im Zielkorridor der indonesischen Zentralbank verharren.

Ein Hauptwachstumsrisiko im Zeitraum 2020-2021 ist eine Verstärkung der Handelsspannungen, die die Rohstoffpreise und die Ausfuhren beeinträchtigen würde. Falls die weltweite Risikoaversion zunehmen sollte, könnten erneute Kapitalabflüsse höhere Zinssätze erforderlich machen. Dies würde die Inlandsnachfrage – und vor allem die Investitionen – belasten. Umgekehrt würden sich die Investitionen kräftiger entwickeln als erwartet, wenn die Unsicherheit im Inland oder weltweit nachlassen und sich das Vertrauen aufhellen sollte. Ein rascherer Abschluss großer Infrastrukturprojekte würde das Wachstum stärken.

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https://doi.org/10.1787/31045866-de

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