1887

OECD Multilingual Summaries

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Improving Resilience of Integration Systems for Refugees and other Vulnerable Migrants

Summary in German

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Die komplette Publikation finden Sie unter:
10.1787/9789264311312-en

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Verbesserung der Resilienz von Integrationssystemen für Flüchtlinge und andere schutzbedürftige Migranten

Zusammenfassung in Deutsch

Die meisten der sechs Millionen Flüchtlinge in den OECD‑Ländern kamen in den letzten fünf Jahren und sind damit Teil der größten Zuwanderung der jüngeren Geschichte. Die Herausforderungen, denen sich die OECD‑Länder bei der Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten gegenübersehen, wurden durch die steigende Zahl Schutz suchender Migranten weiter verschärft. Aus den jüngsten Erfahrungen mit der Zuwanderung lassen sich Lehren für künftige Krisensituationen an anderen Orten ziehen. In vielen Regionen der Welt können humanitäre Krisen zu großen Migrationsströmen führen, insbesondere in Entwicklungsländern. Die Risikofaktoren, die andere humanitäre Krisen auslösen können, dürften in Zukunft nicht abnehmen. Die internationale Gemeinschaft muss sich der Integrationsbedürfnisse der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen, einschließlich der von Vertreibung betroffenen Menschen, aber auch anderer schutzbedürftiger Migranten, annehmen.

Infolge der Rekordzuwanderung, die zwar in einigen Ländern nachgelassen hat, in anderen jedoch anhält, ist der Bedarf an Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt, das Bildungssystem und die Gesellschaft angestiegen. Die Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten ist ein zentrales Ziel. Wenn die Länder die Beschäftigungsfähigkeit von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten verbessern, können sie ihnen helfen, ihr wirtschaftliches Potenzial voll auszuschöpfen und damit einen positiven wirtschaftlichen Impuls setzen. Dies verbessert auch die Akzeptanz der Migranten bei der örtlichen Bevölkerung und ihre soziale Inklusion. Ein Scheitern der Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten erhöht nicht nur die soziale Ausgrenzung und führt zu Spannungen, sondern würde auch die Optionen der Politik bei der Bewältigung künftiger Zuwanderungen stark einschränken.

Dieser Bericht zielt darauf ab, die OECD‑Länder dabei zu unterstützen, besser vorbereitet zu sein, um die Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten zu gewährleisten, insbesondere im Zusammenhang mit plötzlich auftretenden bzw. hohen Zuwanderungszahlen. Aufbauend auf den Empfehlungen des Globalen Pakts für Flüchtlinge (Global Compact on Refugees) sowie auf früheren Arbeiten der OECD und auf den jüngsten Erfahrungen der OECD‑Länder nennt dieser Bericht eine Reihe von Maßnahmen, die die Integration verbessern und die Herkunfts‑ und Transitländer unterstützen können.

Die erste Lehre, die sich ziehen lässt, ist, dass sich die in den OECD‑Ländern bestehenden Systeme entgegen der gängigen öffentlichen Wahrnehmung weitgehend als geeignet erwiesen haben, den plötzlichen, unerwarteten Zustrom von Schutzsuchenden zu bewältigen. Die Länder haben in den meisten Fällen die Notaufnahme der Ankömmlinge erfolgreich bewältigt und sich um die unmittelbaren Bedürfnisse der schutzbedürftigen Migranten gekümmert. Die meisten Bildungseinrichtungen und Arbeitsverwaltungen der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft funktionierten weiterhin angemessen. Dabei dürfen jedoch die Fälle nicht außer Acht gelassen werden, in denen die erbrachten Leistungen mit der überwältigenden Nachfrage nicht Schritt hielten oder in denen die Leistungsstandards litten. Dies waren Situationen, die wichtige Lehren für eine bessere Vorbereitung auf künftige plötzliche Zuwanderungen liefern.

Die Resilienz der Systeme angesichts der Herausforderungen war weitgehend Ad‑hoc‑Maßnahmen und nicht im Vorfeld erarbeiteten Krisenreaktionsplänen zu verdanken. Die Flexibilität, mit der die Regierungen reagiert haben, sollte positiv gesehen werden, war aber mit hohen Kosten verbunden. Die Konsultations‑ und Kooperationskanäle mit Partnern im In‑ und Ausland mussten erst aufgebaut werden. Neben hohen finanziellen Kosten erzeugte die fehlende Planung in der öffentlichen Wahrnehmung das Bild unkontrollierter Migrationsströme und kollabierender Systeme. Die daraus resultierende politische Krise war größer, als es die humanitäre Situation rechtfertigte.

Die zweite Lehre ist, dass die Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten eine langfristige Aufgabe und eine größere Herausforderung als die Erstaufnahme ist. Belege aus den OECD‑Ländern zeigen, dass Flüchtlinge und andere schutzbedürftige Migranten verständlicherweise bei der Arbeitsmarktintegration hinter anderen Migranten zurückbleiben, dass es aber eine Vielzahl von Maßnahmen für ihre mittel‑ und langfristige Integration gibt, die sich bewährt haben.

Eine dritte Lehre aus den bisherigen Erfahrungen ist, dass kein Land die komplexe Aufgabe der Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten allein bewältigen kann. Die Aufnahmeländer können die Lasten teilen, wenn die Zahl international Schutzsuchender besonders hoch ist, sie können sich gegenseitig helfen, um besser vorbereitet und informiert zu sein, und sie können bewährte Praktiken austauschen. Die Integration in einem Aufnahmeland kann Ausstrahlungseffekte auf die Wahrnehmung schutzbedürftiger Migranten in anderen Ländern und deren Möglichkeiten haben. Scheitert ein Land, kann dies die Politikgestaltung in anderen Ländern erschweren.

Ein weiterer Ansatzpunkt für internationale Koordinierung besteht darin, für eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen Akteuren in den Bereichen humanitäre Hilfe, Entwicklung und Friedenssicherung zu sorgen, damit die Entwicklungsländer unterstützt werden, die gleichzeitig Aufnahmeländer sind. Weltweit leben 85% der Flüchtlinge dort. Stärkere Partnerschaften für eine passgenaue Hilfe und Unterstützung können dazu beitragen, die gemeinsamen Ziele im Hinblick auf die Integration und den Schutz von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten zu erreichen. Auch die Entwicklungszusammenarbeit und andere Formen der finanziellen Unterstützung können den Druck auf die Entwicklungsländer verringern, wenn sie mit Vertreibungssituationen fertig werden müssen. Eine weitere Form der Lastenteilung mit den Entwicklungsländern besteht darin, Möglichkeiten des Resettlements und zusätzliche legale Wege für schutzbedürftige Menschen anzubieten.

Eine vierte Lehre, die in eine ähnliche Richtung weist, ist, dass keine Zentralregierung Integration gewährleisten kann, ohne mit anderen Akteuren zusammenzuarbeiten. Der Globale Pakt für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (Global Compact on Refugees) erkennt die Rolle aller relevanten Akteure an, darunter lokale Behörden, die Zivilgesellschaft und der Privatsektor. Ebenso fordert der von den VN erarbeitete Globale Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration (Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration), dass die örtlichen Behörden und gegebenenfalls die Organisationen der Zivilgesellschaft, die Arbeitgeber‑ und Arbeitnehmerorganisationen sowie andere Akteure, wie Organisationen des Dritten Sektors und Sozialunternehmen, in die nationalen Integrationspolitiken einbezogen werden. Nachgeordnete Verwaltungsebenen, wie lokale Behörden, spielen eine Rolle und müssen beteiligt werden. Es ist ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz erforderlich, bei dem die Aufgaben entsprechend geeigneter Vereinbarungen zur Mehrebenen‑Governance wahrgenommen werden.

Eine fünfte Lehre ist, dass die Kontinuität des öffentlichen Handelns der Schlüssel für eine wirksame Reaktion ist. Viele OECD‑Länder haben die Haushaltsmittel zur Unterstützung der Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten stark aufgestockt. Diese Ressourcen sind angemessen, solange eine wirksame Planung vorhanden ist. Eine solche Planung muss einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz verfolgen, viele verschiedene Akteure und Regierungsebenen einbeziehen, unterschiedliche Zielgruppen und Partner bestimmen und solide Bewertungs‑ und Feedbackmechanismen anbieten. Kontinuität umfasst verschiedene Aspekte. Erstens muss die Planung konsequent über einen längeren Zeitraum erfolgen. Die institutionellen Kapazitäten und das angesammelte Wissen sollten auch dann erhalten bleiben, wenn die eingeleiteten Maßnahmen auslaufen. Zweitens müssen schutzbedürftige Migranten auf ihrem Weg vom Herkunftsland zum Aufnahmeland sowie durch alle Phasen der Ansiedlung und Integration mit unterschiedlichen Maßnahmen unterstützt werden. Die Rückkehr in die Herkunftsländer, sofern diese gerechtfertigt ist, und die Unterstützung einer freiwilligen Rückkehr und Wiedereingliederung sind integrale Bestandteile von Kontinuität.

Die OECD‑Länder können sich besser auf zukünftige große Zuströme von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten vorbereiten. Dies erfordert zum Teil verbesserte Frühwarnsysteme, aber auch den Aufbau von Kooperationskanälen mit Partnern – international und national –, die schnell aktiviert werden können. Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit gehört ebenfalls zu einer angemessenen Reaktion. Bessere Informationen über die Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten helfen, eine angemessene Politik zu entwerfen, Migranten bei der Auswahl der für ihre eigene Integration am besten geeigneten Aktivitäten zu unterstützen und in der Öffentlichkeit realistische Erwartungen zu erzeugen. Es gibt ein umfangreiches Instrumentarium für spezifische Politikmaßnahmen, die die Integration von Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migranten unterstützen. Da viele OECD‑Länder gerade eine Krisenphase hinter sich gelassen haben, ist es wichtig, dass das Feedback aus der jüngsten Erfahrung in die Krisenreaktionspläne für die Zukunft einbezogen wird. Es gibt keinen Grund, unvorbereitet oder schlecht gerüstet zu sein.

© OECD

Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.

Die Wiedergabe dieser Zusammenfassung ist unter Angabe der Urheberrechte der OECD sowie des Titels der Originalausgabe gestattet.

Zusammenfassungen in Drittsprachen enthalten auszugsweise Übersetzungen von OECD-Publikationen, deren Originalfassungen in englischer und französischer Sprache veröffentlicht wurden.

OECD

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© OECD (2019), Ready to help?: Improving Resilience of Integration Systems for Refugees and other Vulnerable Migrants, OECD Publishing.
doi: 10.1787/9789264311312-en

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