• Obwohl sich das Bevölkerungswachstum in den meisten Ländern verlangsamt hat, ist die Wachstumsrate der Weltbevölkerung weiterhin hoch. Ohne einen schnellen und deutlichen Rückgang der Geburtenrate könnte die Weltbevölkerung den neuesten Projektionen der Abteilung Bevölkerungsfragen der Vereinten Nationen zufolge bis zum Jahr 2100 auf 16 Milliarden steigen. Unsere Bemühungen, die Armut zu verringern, Arbeitsplätze zu schaffen, für Ernährungs-, Wasser- und Energiesicherheit zu sorgen und zugleich die Umwelt zu schützen, erhalten durch das Bevölkerungswachstum, gepaart mit höherem Konsum, eine noch größere Tragweite. Diese Fakten waren bereits vor fast zwanzig Jahren bekannt, als kurz nach der Rio- Erklärung von 1992 das Aktionsprogramm der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung von 1994 einen zweigleisigen Ansatz zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung skizzierte. Dieser Ansatz forderte nachhaltigere Produktionsweisen und Konsumgewohnheiten, flankiert von geeigneten Politikmaßnahmen zur Bewältigung des demografischen Wandels. Die Umsetzung lässt jedoch auf sich warten. Um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, müssen Entwicklungsländer und ihre Partner folgende Voraussetzungen schaffen: a) universeller Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung und Familienplanung, b) Investitionen in Bildung mit besonderem Schwerpunkt auf Geschlechterparität, c) Stärkung der Position von Frauen und d) systematische Einbeziehung von Bevölkerungsprojektionen in Entwicklungsstrategien und -politikmaßnahmen.

  • Die Entwicklungsländer benötigen nachhaltige Energie, um ihr Wachstum zu fördern und die Menschen aus der Armut zu befreien. Weltweit haben 1,3 Milliarden Menschen nach wie vor keinen Sromanschluss, und bis zu eine weitere Milliarde muss im besten Fall mit einem unzuverlässigen Zugang auskommen. Insbesondere das ländliche Subsahara-Afrika hat eine Elektrifizierungsrate von nur 12%, und die Gesamtzahl der Personen ohne Stromanschluss nimmt kontinuierlich zu. Die Vereinten Nationen (VN) streben im Rahmen ihrer Initiative „Nachhaltige Energie für alle“ an, bis zum Jahr 2030 den Zugang aller Bürger zu modernen Energiedienstleistungen zu sichern. In diesem Kapitel beschreibt der Autor, wie die Europäische Union, die über die Hälfte der weltweiten öffentlichen Entwicklungsleistungen (ODA) bereitstellt, ihren Beitrag zur Initiative der VN leistet, wobei der Schwerpunkt auf dem Zugang zu modernen Energiedienstleistungen, der regionalen Integration – unter Fokussierung auf Projekte mit regionaler Reichweite – sowie auf der breitbasierten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien liegt. Dennoch merkt er an, dass die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit diese Herausforderung nicht allein wird bewältigen können. Der private Sektor wird sich viel aktiver einbringen müssen, sowohl durch Investitionen als auch durch die Bereitstellung von Finanzmitteln. Der Lohn wird beträchtlich sein: neue Märkte, neue produktive Partnerschaften, neue innovative Technologien für die Entwicklungsländer sowie höhere Einkommen und mehr Arbeitsplätze.

  • Kurzlebige Klimaschadstoffe sind Chemikalien, die nur wenige Tage oder höchstens wenige Jahrzehnte in der Atmosphäre verbleiben. Dazu gehören Rußpartikel (bzw. Ruß, der z.B. bei Holzfeuerung freigesetzt wird), Methan (bei der Öl- und Gasförderung und von Siedlungsabfällen) und troposphärisches Ozon (von Kraftfahrzeugen). Neben der Tatsache, dass es starke Treibhausgase sind, handelt es sich um gefährliche Luftschadstoffe mit verschiedenen schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die Landwirtschaft und die Ökosysteme. Dennoch wird die Öffentlichkeit für die von diesen Chemikalien ausgehende Gefahr wenig sensibilisiert. Maßnahmen zur Verringerung kurzlebiger Klimaschadstoffe stellen u.U. die einzige Möglichkeit dar, die globale und regionale Erwärmung auf kurze Sicht (10-30 Jahre) zu verlangsamen und gleichzeitig einen unmittelbaren Nutzen für die Luftqualität herbeizuführen. In diesem Kapitel führt die Autorin Beispiele für laufende Initiativen an, um diese Schadstoffe zu reduzieren und den Entwicklungsländern gleichzeitig Nutzeffekte zu bringen. Viele dieser Maßnahmen sind kostengünstig, da die anfänglichen Investitionen durch die Kostenersparnis in der Folgezeit kompensiert werden, z.B. durch den geringeren Brennstoffverbrauch oder den Einsatz von rückgewonnenem Methan. Globale Aktionen sind erforderlich, um das Bewusstsein zu schärfen, nationale und regionale Initiativen zu ermöglichen und zu fördern sowie die allgemeine Umsetzung von Maßnahmen zur Reduktion kurzlebiger Klimaschadstoffe zu unterstützen. Im März 2012 gründeten Schweden, Bangladesch, Kanada, Ghana, Mexiko und die Vereinigten Staaten die Koalition für Klima und saubere Luft (Climate and Clean Air Coalition), eine globale Partnerschaft, die den Entwicklungsländern dabei hilft, ihre Anstrengungen zur Bekämpfung kurzlebiger Klimaschadstoffe zu intensivieren.

  • Weltweit setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Wasser eine Schlüsselrolle für die nachhaltige Entwicklung spielt. Nachdem das Thema Wasser früher als das Aschenputtel unter den vielen Anliegen der Vereinten Nationen galt, wurde 2010 schließlich der Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung von den Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt. Dies geschah keinen Moment zu früh: Den Modellrechnungen der OECD zufolge werden bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Entwicklung bis zum Jahr 2050 weitere 2,3 Milliarden Menschen in Flusseinzugsgebieten leben, in denen extremer Wasserstress herrscht. Trotz erkennbarer Fortschritte durch die Millenniumsentwicklungsziele sind die Wasserstatistiken weiterhin alarmierend: So sterben beispielsweise Jahr für Jahr mehr als 2,2 Millionen Kinder unter 14 Jahren an den Folgen verunreinigten Trinkwassers. Dieses von drei hochrangigen Entscheidungsträgern aus dem Bereich der Wasserpolitik verfasste Kapitel plädiert für ein grundlegendes Umdenken in unserem Umgang mit der Wasserkrise. Unter anderem wird gefordert, ????Wasser als eines der Schlüsselelemente für zukünftiges Wachstum zu betrachten, ????innovative Finanzierungsmethoden einzusetzen, um im Verlauf der nächsten zwanzig Jahre Mittel in Höhe von 1-2% des BIP aller Länder zur Finanzierung des Wassersektors zu erhalten, ????beim Wasserressourcenmanagement einen integrierten Ansatz zu verfolgen, ????verschiedene Partner und Akteure an einen Tisch zu bringen, um die Wasserbewirtschaftung in dezentralisierte und transparente Governance-Strukturen einzubetten und ????diese innovative Wasserpolitik in den Gesamtkontext anderer Entwicklungsmaßnahmen zu integrieren.

  • Das Konzept und die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung werden seit mehreren Jahrzehnten allgemein als zentrales Element des gesellschaftlichen Fortschritts anerkannt. Dennoch ist uns die Umstellung auf ein wirklich nachhaltiges Entwicklungsmodell noch immer nicht gelungen. Dieses Kapitel berichtet über nachhaltige Entwicklung in der Praxis anhand des Beispiels eines Projekts zur integrierten Bewirtschaftung von Wassereinzugsgebieten in Äthiopien, an dem die Autoren selbst beteiligt waren. Durch dieses Projekt wurden natürliche Ressourcen regeneriert und aufgewertet, die Einkommenssituation und die Ernährungssicherheit der Bevölkerung verbessert sowie vielerlei soziale Nutzeffekte erzielt. Zudem hat es die Widerstandskraft der Bevölkerung gegenüber dem Klimawandel gestärkt und zur Bindung von Kohlendioxid beigetragen. Der Erfolg dieses Konzepts der Einzugsgebietsbewirtschaftung rührt daher, dass es sich nicht um einen rein technischen Ansatz handelte. Von grundlegender Bedeutung war vielmehr die volle Einbindung der Ressourcennutzer vor Ort, ergänzt durch Sozialkapital und ein günstiges institutionelles Umfeld. Der Projektansatz wurde inzwischen auf die nationale Ebene ausgedehnt, womit er entscheidende Bereiche der nationalen Politik beeinflusst, insbesondere das „Productive Safety Net Programme“ und Äthiopiens Strategie für eine grüne Wirtschaft. Allzu häufig kommen Konzepte der nachhaltigen Entwicklung nie über das Pilotprojektstadium hinaus; umso wichtiger ist daher die Erkenntnis, die sich aus dieser Erfahrung ziehen lässt, nämlich dass ein erfolgreicher Ansatz zwar auf nationaler Ebene angewandt werden kann – und auch angewandt werden sollte –, dass es dazu aber institutionellen und politischen Engagements von Seiten der staatlichen Stellen und der Zivilgesellschaft bedarf sowie ausreichender Investitionen, um eine solche Ausweitung möglich zu machen. Insofern dieses Projekt ursprünglich durch ähnliche Arbeiten in Indien angeregt wurde, zeigt sich an ihm zudem die Bedeutung des Erfahrungsaustauschs.

  • vielen Ländern kann Reichtum an Erdöl, Erdgas, Diamanten, Gold und anderen Mineralien eher ein Fluch als ein Segen sein. Eine schlechte Bewirtschaftung eines solchen Reichtums an natürlichen Ressourcen kann zu einer schlechten Wirtschaftsleistung, einem schwachen und unausgewogenen Wachstum, Armut, Konflikten, Umweltschäden und einer ineffizienten oder autoritären Regierung führen. In diesem Kapitel vertreten die Autoren die Ansicht, dass der Ressourcenfluch jedoch nicht unvermeidlich ist. Sie liefern eine ausführliche Beschreibung, wie die Zusammenarbeit zwischen Norwegen (einem Land mit vierzig Jahren Erfahrung in der Verwaltung großer Ölreserven) und Ghana dem afrikanischen Land dabei geholfen hat, sein Erdöl zu Gunsten der gesamten Bevölkerung zu bewirtschaften. Basierend auf Norwegens Programm „Erdöl für Entwicklung“ und seinen Grundsätzen der guten Staats- und Regierungsführung bemüht sich Ghana, ein wirtschaftlich, ökologisch und sozial verantwortliches Management seiner Erdölressourcen zu gewährleisten. Die ghanaische Regierung konzentriert sich auf die Erarbeitung und Verbesserung einschlägiger Gesetzesbestimmungen, die Schaffung und Entwicklung von Institutionen und den Aufbau von Kompetenzen. Durch Partnerschaften zwischen Einrichtungen des öffentlichen Sektors in Ghana und ihren Schwesterinstitutionen in Norwegen konnten Kontinuität, Nachhaltigkeit und ein ganzheitlicher Ansatz sichergestellt werden. Indem das Schwergewicht auf die Grundsätze der Transparenz, Rechenschaftspflicht und Korruptionsbekämpfung gelegt wird, liefert die Erfahrung praktische Erkenntnisse, die sich für andere Länder als hilfreich erweisen können.