Table of Contents

  • Jahr für Jahr beschaffen Bund, Länder und Kommunen nach Schätzungen der OECD Leistungen im Umfang von mindestens 500 Mrd. Euro bzw. 15 Prozent des BIPs. Die öffentliche Hand ist damit eine der wichtigsten Marktteilnehmer. Sie muss die Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, effizient ausgeben. Zugleich hat sie die Erfüllung staatlicher Aufgaben wie der Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Schließlich kommt ihr im Rahmen ihres Konsum- und Investitionsverhaltens eine besondere Vorbildrolle und Verantwortung zu.

  • Seit einigen Jahren nutzen Länder weltweit öffentliche Beschaffung zunehmend strategisch, indem sie die wirtschaftlichen Auswirkungen öffentlicher Beschaffung und seine einzigartige Rolle als Mittler zur Erbringung öffentlicher Leistungen, zwischen öffentlichen Institutionen, Bürgern und Unternehmen, nutzen.

  • ABSt Auftragsberatungsstelle Sachsen e.V.

  • Als größte Volkswirtschaft Europas verfügt Deutschland über einen der größten Beschaffungsmärkte der Region. Das öffentliche Auftragswesen macht schätzungsweise 15% des deutschen BIP aus, was einer immensen Summe von 500 Milliarden Euro pro Jahr entspricht. Das öffentliche Auftragswesen hat erhebliche Auswirkungen auf alle Bereiche des Wohlergehens. Öffentliche Aufträge sind der Schlüssel zur Erbringung öffentlicher Leistungen, sei es in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Infrastruktur oder öffentliche Sicherheit. Indirekt wirkt sich öffentliche Beschaffung auch auf Umwelt, Arbeitsplätze und viele andere Bereiche aus.

  • Dieses Kapitel betrachtet die wichtige Rolle, die die öffentliche Beschaffung im Wirtschaftssystem und für das Wohl der Bürger hat und verknüpft dies mit den politischen Herausforderungen, die sich Deutschland stellen. Öffentliche Beschaffung kann alle Dimensionen des Wohlergehens, der Lebensqualität, entscheidend beeinflussen, einschließlich der wirtschaftlichen, ökologischen, gesellschaftlichen und menschlichen Aspekte. Einige Staaten konnten bereits erste Ergebnisse bei der Messung möglicher Auswirkungen der öffentlichen Beschaffung auf diese verschiedenen Dimensionen des Wohlergehens erzielen, indem sie nachverfolgt haben, wie öffentliche Beschaffung zur Erreichung übergeordneter, strategischer politischer Ziele beitragen kann. Deutschland könnte die Wirkungen der öffentlichen Beschaffung maximieren und zur Lebensqualität der Bürger beitragen, indem es einen präzisen Rahmen für Wirkungs-Nutzen-Messungen öffentlicher Beschaffung entwickelt und einsetzt.

  • Die Vergaberechtsreform 2016 hat das Vergabesystem grundlegend verändert und alle Regierungsebenen beeinflusst. In diesem Kapitel werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Steuerungsstruktur des deutschen öffentlichen Auftragswesens analysiert. Dabei wird auch auf die Beschaffung auf Ebene der Länder und Kommunen hingewiesen, die zusammen fast 80% der Beschaffungsaktivitäten in Deutschland ausmachen. Das Kapitel identifiziert Bereiche, in denen die Reform harmonisierte Vorschriften enthält, und zeigt Möglichkeiten auf, das deutsche öffentliche Auftragswesen weiter zu vereinfachen.

  • Die Zentralisierung von Beschaffung durch Techniken wie die Zusammenführung von Bedarf, Rahmenvereinbarungen oder die zentrale Beaufsichtigung der Vergabeleistung kann Staaten große Vorteile bringen. In diesem Kapitel werden die von Deutschland auf Bundesebene entwickelten Zentralisierungsstrategien untersucht und mit internationalen Initiativen verglichen. Das Kapitel gibt Empfehlungen um den Nutzen von Zentralisierung zu maximieren. Diese Empfehlungen entsprechen dem erneuerten Interesse der deutschen Bundesregierung an der Optimierung zentraler Beschaffungsprozesse. Die Empfehlungen unterstützen auch die Schlussfolgerungen einer parallelen Ausgabenüberprüfung der zentralen Beschaffungsinstrumente auf Bundesebene in Deutschland.

  • Im Zuge der breiteren Digitalisierung staatlicher Tätigkeiten verändert elektronische Vergabe (E-Vergabe) die Art und Weise, wie die öffentliche Hand und Privatwirtschaft interagieren. Zu den positiven Auswirkungen dieser Transformation gehören eine höhere Effizienz bei der Durchführung von Ausschreibungen, geringere Ausschreibungskosten für Unternehmen und Verbesserungen bei der Erhebung und Nutzung von Daten. Die jüngsten EU-Richtlinien haben Fristen für die Umsetzung der elektronischen Vergabe (E-Vergabe) in den EU-Mitgliedstaaten festgelegt, doch die geringe Reife bei elektronischen Vergabeverfahren stellt sowohl Vergabestellen als auch Auftragnehmer vor zeitliche Herausforderungen. In diesem Kapitel werden Hindernisse für die Umsetzung von E-Vergabe auf verschiedenen Ebenen der deutschen Verwaltung aufgezeigt. Insbesondere geht es um die Komplexität der technischen Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit, die Visibilität von Informationen über öffentliche Beschaffung sowie die systematische Datenerfassung zu verbessern. Schließlich bietet das Kapitel Möglichkeiten für den Ausbau und die Systematisierung der Nutzung von E-Vergabe-Verfahren durch die Einbettung in Change-Management-Plänen, aufbauend auf dem Engagement der Interessensgruppen und der Verknüpfung von E-Vergabe mit der umfassenderen Digitalisierungsagenda in Deutschland.

  • Durch unterschiedliche Ansätze beim Erwerb von Waren und Dienstleistungen können öffentliche Mittel zur Erreichung strategischer Politikziele eingesetzt werden. Eine strategische öffentliche Beschaffung trägt diesen ergänzenden politischen Zielen Rechnung. Strategische öffentliche Beschaffung kann, neben unmittelbaren Zielen wie eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses und Effizienzmaximierung, unterschiedliche strategische Ziele verfolgen. Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren Wert auf strategische Beschaffung gelegt und mehrere nationale Strategien und Arbeitspläne entwickelt, die diese unterstützen. In diesem Kapitel werden die Ansätze Deutschlands zur Nutzung der strategischen Beschaffung diskutiert. Die spezialisierten Kompetenzzentren in Deutschland haben sich beispielsweise bei der Unterstützung von Auftraggebern und Auftragnehmern bewährt. Darüber hinaus haben mehrere Richtlinien einen Rahmen für die strategische öffentliche Beschaffung geschaffen. Zusätzliche Maßnahmen können durch einen breiteren, systematischen Ansatz die Wirkung strategischer öffentlicher Beschaffung maximieren – insbesondere auf subzentraler Ebene.

  • In diesem Kapitel wird analysiert, wie Deutschland das Humankapital im öffentlichen Auftragswesen steuert. Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung profitieren von einer fundierten Ausbildung. Der derzeitige Ansatz der öffentlichen Hand in Deutschland zielt auf Ausbildung und Beschäftigung von Generalisten ab. Allerdings erfordern die zu erwartenden Herausforderungen in den kommenden Jahren zunehmend spezialisierte Mitarbeiter für öffentliche Beschaffungsverfahren. Zur Erzielung der größtmöglichen Wirkung der öffentlichen Beschaffung könnte Deutschland einen strategischen Ansatz verfolgen, um öffentliche Beschaffung als Beruf zu etablieren. Die Entwicklung einer systematischen Ausbildung für Beschaffer könnte eine weitere Spezialisierung ermöglichen und Beschaffer in die Lage versetzen, sich den Herausforderungen immer komplexerer strategischer Beschaffungsprozesse zu stellen.