OECD Multilingual Summaries

OECD Business and Finance Outlook 2017

Summary in German

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OECD Unternehmens‑ und Finanzausblick 2017

Zusammenfassung in Deutsch

Es besteht zunehmend die Wahrnehmung, dass die Globalisierung für große Teile der Gesellschaft nicht funktioniert, in Industrie‑ wie in Entwicklungsländern, und dass sie die Ungleichheit fördert und weniger qualifizierten Arbeitnehmern schadet. Vieles muss zwar in der nationalen Politik getan werden, um die Ergebnisse zu verbessern, doch es sind auch dringend eine bessere Abstimmung der nationalen und der internationalen Politik und gleichere Wettbewerbsbedingungen in den grenzüberschreitenden Aktivitäten von Unternehmen nötig. Das erfordert, dass die Länder, die an den globalisierten Märkten beteiligt sind, sich gemeinsamen transparenten Grundsätzen verpflichten, die mit gegenseitig nutzbringendem Wettbewerb, Handel und internationalen Investitionen im Einklang stehen. Doch die Governance von Handel, internationalen Investitionen und Wettbewerb ist auf globaler Ebene nicht ausreichend fortgeschritten, um bessere Ergebnisse zu fördern. Dieser Ausblick liefert empirische Belege dafür, wie ungleiche Wettbewerbsbedingungen Größeneinsparungen blockieren, zu einer ungünstigen Ressourcenverteilung führen und fairen Wettbewerb untergraben können. Auch globale Governance‑Fragen (die „Regeln“ und „Normen“) in verschiedenen Politikbereichen werden erörtert.

Wechselkurs und Kapitalkontomanagement

Sowohl in Industrie‑ als auch in Schwellenländern verzerrt das Anstreben eines Zielwechselkurses gestützt von Kapitalkontomanagement und/oder dem Festlegen der Preise gehandelter Güter zum Erreichen eines Marktanteils (mit staatlicher Hilfe) die relativen Preise. Diese Praktiken können eine Zunahme des Auslandsumsatzes von Unternehmen aus einem Land zugunsten von Unternehmen aus einem anderen verhindern und daher Unternehmen den Weg zu höherer Produktivität durch Größeneinsparungen versperren. Die OECD‑Kodizes der Liberalisierung sollen Kapitalkontomanagementmaßnahmen transparenter machen und einen Rahmen bieten, um längerfristig mehr Offenheit zu erreichen, während gleichzeitig verschiedene Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung berücksichtigt werden.

Finanzielle Regulierung und Risiko

Inkonsistente finanzielle Vorschriften treiben Risiken in neue Bereiche. Bei den aufsichtsrechtlichen Reformen des Bankwesens hat es gewaltige Fortschritte gegeben, doch zwei Anomalien bleiben bestehen und stehen dem Ziel gleicher Wettbewerbsbedingungen im Weg. Die eine leitet sich aus Unterschieden in der Aufgabenverteilung zwischen Banken und Kapitalmärkten in verschiedenen Ländern ab, was in der Praxis zur Berücksichtigung von Wettbewerbsfähigkeit und anderen Erwägungen als finanzieller Stabilität beim Verfassen aufsichtsrechtlicher Regeln führt. Die andere bezieht sich auf das Baseler Risikogewichtungssystem, das Banken Spielraum lässt, um für die gleiche Eigenkapitalvorschrift bei verschiedenen Banken und in verschiedenen Ländern eine unterschiedliche Hebelung zu haben. Insgesamt können Bemühungen zur Bewältigung der Auswirkungen aufsichtsrechtlicher Reformen und Veränderungen des Bankengeschäftsmodells zu einem Anstieg des Ansteckungsrisikos führen; das wird vom Rat für Finanzstabilität (Financial Stability Board) und anderen internationalen Organisationen überwacht.

Staatliche Unternehmen und Überschusskapazitäten

Die Verzerrungen durch Subventionen und andere Vorteile, die ihnen gewährt werden, sind bei staatlichen Unternehmen meist größer als bei privaten Unternehmen. Staatliche Unternehmen haben ihren Anteil an den wichtigsten weltweiten Industriebranchen vergrößert und die meisten haben ihren Sitz in Asien. Bemerkenswerterweise beinhalten sie sehr große Finanzunternehmen, die eine zentrale Rolle bei der Finanzierung anderer staatlicher Unternehmen in den meisten Branchen und manchmal zu günstigen Bedingungen spielen. Diese und andere Formen staatlicher Unterstützung lösen Bedenken zu unfairen Praktiken aus und führen zu Überschusskapazitäten in bestimmten Branchen. Es sind weiterhin Regeln vonnöten, die für gleichere Voraussetzungen im Wettbewerb zwischen privaten und staatlichen Unternehmen sorgen. Die OECD hat zahlreiche Leitlinien für Governance und Best Practices für Eigentum staatlicher Unternehmen veröffentlicht, mit denen viele dieser Probleme direkt angegangen werden sollen.

Grenzüberschreitende Kartelle

Geheime Absprachen grenzüberschreitender Kartelle können Verbrauchern des Nutzens von Wettbewerb zwischen multinationalen Unternehmen berauben und den Nutzen letztlich stattdessen durch höhere Preise und damit Gewinne an die Aktionäre weiterreichen. Das Ausmaß dieser überhöhten Preise ist bedeutend. Zwischen 1990 und 2015 wurden zweihundertvierzig grenzüberschreitende Kartelle, die sich auf einen Umsatz von 7,5 Bio. USD auswirkten, erkannt und mit einem Bußgeld belegt. Die Notwendigkeit, das Problem grenzüberschreitender Kartelle und überhöhter Preise anzugehen, geht Hand in Hand mit anderen Erwägungen zur Wettbewerbsgleichheit. OECD‑Instrumente zu Angebotsabsprache, Umgang mit Hardcore‑Kartellen und zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Wettbewerbsbehörden sollen alle dazu beitragen, diese Probleme anzugehen.

Hohe Kosten bei der Emissionsbegleitung und Kapitalkosten

Eigenkapitalfinanzierung ist bei einem langfristigen Fokus auf Investitionsprojekte gegenüber Fremdkapital vorzuziehen, und doch wurden seit der Krise enorme Mengen von Unternehmensanleihen ausgegeben (insbesondere von Schwellenländern), während Börsengänge (IPOs) mit Aktien nachgelassen haben. Während das eine führende Emissionsbegleitungsmodell zu Bankkonsortien und einer stärker grenzüberschreitenden Beteiligung an der Unternehmensbegleitung für Unternehmensemissionen geführt hat, scheinen hohe Gebühren und parallele Preisgestaltung zugenommen zu haben. Bei IPOs von weniger als 100 Mio. USD liegen die durchschnittlichen Kosten bei 9 bis 11% des Transaktionswerts. Das bedeutet, dass für jede 10 IPOs der Marktwert eines gesamten neuen Unternehmens an Gebühren aufläuft. Das erhöht die Kosten von Eigenkapital und behindert langfristige produktive Investitionen. Die Stärkung des Wettbewerbs auf diesen Märkten könnte zu besseren Ergebnissen führen.

Grenzüberschreitende Handelshindernisse bei Finanzdienstleistungen

Direkte Handelshindernisse bei Finanzdienstleistungen wirken (wie auch andere Handelsbeschränkungen) einer gut funktionierenden Weltwirtschaft entgegen. Dieser Ausblick liefert drei Beispiele: die Vorteile der internationalen Rückversicherung, nationale Regeln und Vorschriften für Pensionsfonds, die sie zu einer Übergewichtung im Heimatland ermutigen, und Brexit. Was den Brexit angeht, lassen die Zusagen im Rahmen der OECD‑Kodizes der Liberalisierung reichlich Spielraum für eine pragmatische Herangehensweise an den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union.

Verantwortliche Geschäftsführung in weltweiten Lieferketten

Verantwortliche Geschäftsführung berücksichtigt beim Lieferkettenmanagement und bei dessen wahrgenommener Auswirkung auf die betroffenen Gemeinschaften soziale und moralische Fragen sowie weltweite wirtschaftliche Ergebnisse. Nachhaltige Lieferketten und bessere Finanzleistung des Unternehmens können Hand in Hand gehen – ein „Win‑Win“‑Ergebnis. Due‑Diligence‑Strategien im Lieferkettenmanagement haben ein starkes Potenzial, das Vertrauen zu stärken und soziale und ökologische Störungen des Handels und der internationalen Investitionsströme zu verringern, die Wege zu höherer Produktivität und nachhaltigem Wachstum auf Unternehmensebene versperren. Gut geeignet für diese Aufgabe sind OECD‑Instrumente zu multinationalen Unternehmen und Lieferketten‑Due‑Diligence.

Bestechung und Korruption

Bestechung ausländischer Amtsträger und Korruption verzerren die Ressourcenverteilung und untergraben den Nutzen der Globalisierung, was dazu führt, dass wirtschaftliche Renten in privaten Nutzen (einschließlich an Diktatoren und Militärführer) abgelenkt werden, statt in Technologie, Bildung und Ausbildung sowie eine hochwertige Infrastruktur im Gastgeberland investiert zu werden. Eine stärkere Einhaltung und Durchsetzung des OECD‑Übereinkommens über die Bekämpfung der Bestechung würde die Anzahl der weniger korrupten ausländischen Investitionsziele erhöhen und damit dazu beitragen, für gleichere Wettbewerbschancen zu sorgen und nachhaltiges Wachstum zu fördern. Eine strengere Durchsetzung würde dazu beitragen, das Gesicht der Globalisierung in der Weltwirtschaft zu verbessern.

© OECD

Übersetzung durch den Deutschen Übersetzungsdienst der OECD.

Die Wiedergabe dieser Zusammenfassung ist unter Angabe der Urheberrechte der OECD sowie des Titels der Originalausgabe gestattet.

Zusammenfassungen in Drittsprachen enthalten auszugsweise Übersetzungen von OECD-Publikationen, deren Originalfassungen in englischer und französischer Sprache veröffentlicht wurden.

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© OECD (2017), OECD Business and Finance Outlook 2017, OECD Publishing.
doi: 10.1787/9789264274891-en

 



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