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Die OECD in Zahlen und Fakten 2011-2012: Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft
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Die Krankenpflegekräfte bilden gewöhnlich die größte Berufsgruppe im Gesundheitsbereich, ihre Anzahl übersteigt in den meisten OECD-Ländern bei weitem die der Ärzte. Krankenpflegekräfte spielen eine entscheidende Rolle bei der Erbringung medizinischer Leistungen, nicht nur in herkömmlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Langzeitpflegeheimen, sondern zunehmend auch bei der Primärversorgung (vor allem in der Pflege und Betreuung von chronisch Kranken) und in der häuslichen Pflege. In vielen Ländern herrscht jedoch Besorgnis über einen Mangel an Krankenpflegekräften, und diese Besorgnis könnte in Zukunft noch zunehmen, wenn die Nachfrage nach Krankenpflegekräften weiter steigt und es mit der Alterung der geburtenstarken Jahrgänge zu einer Verrentungswelle in dieser Berufsgruppe kommt. Daher wurden in vielen Ländern Maßnahmen eingeleitet, die darauf abzielen, mehr Nachwuchskräfte auszubilden, was durch Anstrengungen flankiert wird, um den Verbleib von praktizierenden Pflegekräften im Beruf zu sichern.

Definition

Als Krankenpflegekräfte gelten alle in öffentlichen und privaten Einrichtungen der Gesundheitsversorgung tätigen Kräfte (praktizierende Kräfte), einschließlich freiberuflicher Kräfte. In den Ländern, in denen es unterschiedliche Kompetenzstufen von Krankenpflegekräften gibt, beziehen sich die Zahlen auf "vollqualifizierte Kräfte" , die einen höheren Bildungsabschluss haben und anspruchsvollere Aufgaben erledigen, sowie auf "qualifizierte Kräfte" , deren Ausbildungsniveau geringer ist, bei denen es sich aber ebenfalls um examinierte, anerkannte Pflegekräfte handelt. Hebammen und Pflegehelfer, die nicht als Krankenpfleger anerkannt werden, sind in den Zahlen normalerweise nicht enthalten.

Vergleichbarkeit

In mehreren Ländern (Frankreich, Griechenland, Island, Irland, Portugal, Slowakische Republik, Türkei und Vereinigte Staaten) umfassen die Angaben nicht nur Krankenpflegekräfte, die direkte Patientenleistungen erbringen, sondern auch jene Kräfte, die in der Verwaltung sowie als Lehrkräfte, Forscher usw. tätig sind. Die Angaben für Belgien und Italien beziehen sich auf alle Krankenpflegekräfte, die zur Berufsausübung berechtigt sind (was eine starke Überzeichnung zur Folge hat). Österreich macht nur Angaben zur Zahl der in Krankenhäusern beschäftigten Kräfte. Bei den Angaben für Chile sind nur die Krankenpflegekräfte im öffentlichen Sektor berücksichtigt.

Etwa die Hälfte der OECD-Länder bezieht auch die Hebammen ein, da sie als spezialisierte Krankenpflegekräfte gelten. In den Zahlen für Deutschland sind rd. 250 000 Pflegekräfte (zusätzliche 30%) nicht enthalten, die eine dreijährige Ausbildung absolviert haben und in der Altenpflege tätig sind.

Überblick

Im Durchschnitt der OECD-Länder kamen 2009 8,4 Krankenpflegekräfte auf 1 000 Einwohner. Die Zahl der Krankenpflegekräfte im Verhältnis zur Einwohnerzahl war mit 14-15 Kräften je 1 000 Einwohner in einigen nordischen Ländern am höchsten. Sie war auch in Belgien hoch, wenngleich sich die Daten auf alle Krankenpflegekräfte beziehen, die eine Zulassung zur Berufsausübung haben, was eine starke Überzeichnung zur Folge hat. Die Zahl der Krankenpflegekräfte im Verhältnis zur Einwohnerzahl war unter den OECD-Ländern in Chile am niedrigsten (wenngleich die Zahl zu niedrig ausgewiesen ist, da nur im öffentlichen Sektor tätige Krankenpflegekräfte berücksichtigt sind) ebenso wie in der Türkei, Mexiko und Griechenland. Die Zahl der Krankenpflegekräfte je Einwohner war im Vergleich zum OECD-Durchschnitt in den großen aufstrebenden Volkswirtschaften, wie Indien, Brasilien, Indonesien und China, ebenfalls gering, wo auf 1 000 Einwohner 2009 weniger als 1,5 Krankenpflegekräfte kamen. Allerdings ist dieses Verhältnis in einigen dieser Länder in den letzten Jahren ziemlich rasch gestiegen.

Die Zahl der Krankenpflegekräfte im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat im vergangenen Jahrzehnt in nahezu allen OECD-Ländern zugenommen. Im OECD-Raum ist die Zahl der Krankenpflegekräfte je 1 000 Einwohner zwischen 2000 und 2009 um durchschnittlich 1,8% pro Jahr gestiegen. Den größten Anstieg verzeichnete in diesem Zeitraum Chile mit einer Zunahme von 12% jährlich, wenngleich die Zahl der Krankenpflegekräfte im Verhältnis zur Einwohnerzahl nach wie vor sehr niedrig ist. Stark gestiegen war die Zahl der Krankenpflegekräfte auch in Portugal und Korea. In Israel hingegen ging die Zahl der Krankenpflegekräfte im Verhältnis zur Einwohnerzahl zwischen 2000 und 2009 zurück. In Australien und den Niederlanden war die Zahl der Krankenpflegekräfte im Verhältnis zur Einwohnerzahl zwischen 2000 und 2007 rückläufig, steigt seither aber wieder.

Die Relation Pflegekräfte/Ärzte reichte 2009 von 5 Pflegekräften je Arzt in Irland bis zu weniger als einer Pflegekraft je Arzt in Chile, Griechenland und der Türkei. Auch in Italien, Mexiko, -Israel, Portugal und Spanien ist die Zahl der Krankenpflege-kräfte im Verhältnis zur Zahl der Ärzte relativ gering. Der -Durchschnitt liegt im OECD-Raum bei knapp unter drei -Krankenpflegekräften je Arzt, wobei sich das Verhältnis in der Mehrzahl der Länder bei zwei bis vier Krankenpflegekräften je Arzt bewegt. In Griechenland und Italien gibt es Belege für eine Überversorgung mit Ärzten und eine Unterversorgung mit Krankenpflegekräften, was sich in einer ineffizienten Mi-ttelallokation niederschlägt.

Als Reaktion auf den Ärztemangel und auch um einen sicheren Zugang zur medizinischen Versorgung zu gewährleisten, haben einige Länder in den letzten Jahren weiterführende Studien-gänge für Krankenpflegekräfte eingerichtet. Untersuchungen der Tätigkeit von Krankenpflegekräften in den Vereinigten Staaten, Kanada und dem Vereinigten Königreich haben -ergeben, dass diese Krankenpflegekräfte mit höherem -Fachabschluss bei qualitativ gleichwertiger Versorgung wie -durch Ärzte für eine Reihe von Patienten den Zugang zu -Gesundheitsleistungen verbessern und die Wartezeiten -reduzieren können, insbesondere für jene mit leichteren -Erkrankungen und jene, die Routineversorgung benötigen. Die meisten Untersuchungen lassen auf eine hohe Patientenzu-friedenheit schließen, während die Auswirkungen auf die Kosten entweder kostensenkend oder kostenneutral sind.

 

Quelle

  • OECD (2011), OECD Health Statistics, OECD Publishing.
  • WHO/Europa für die Russische Föderation und nationale Quellen für andere Nicht-OECD-Länder.
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