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Die Säuglingssterblichkeit spiegelt die
wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen von Müttern und Neugeborenen,
das soziale Umfeld, den individuellen Lebensstil sowie die Merkmale der
Gesundheitssysteme wider. In einigen Ländern besteht eine niedrige
Säuglingssterblichkeit und zugleich ein niedriges Niveau der
Gesundheitsausgaben, was den Schluss nahelegt, dass eine Steigerung der
Ausgaben nicht zwangsläufig eine Voraussetzung zur Verbesserung der
Ergebnisse in diesem Bereich ist.
Definition
Die Säuglingssterblichkeit ist als Zahl
der Todesfälle bei Kindern unter einem Lebensjahr in einem bestimmten
Jahr je 1 000 Lebendgeburten definiert. Die neonatale Mortalität bezieht
sich auf den Tod von Kindern während der ersten vier Lebenswochen. Die
postneonatale Mortalität bezieht sich auf die Todesfälle, die zwischen
dem zweiten und dem zwölften Lebensmonat eintreten.
Vergleichbarkeit
Ein Teil der internationalen
Unterschiede bei den Säuglings- und neonatalen Sterberaten ist u.U.
darauf zurückzuführen, dass zwischen den einzelnen Ländern Differenzen
in Bezug auf die Erfassungsmethoden für Frühgeburten bestehen. In den
meisten Ländern sind keine an der Schwangerschaftsdauer oder dem
Geburtsgewicht ausgerichteten Grenzwerte für die Meldung von
Sterbefällen vorgesehen. Solche Grenzwerte gelten allerdings in Norwegen
(wo die Schwangerschaftsdauer für die Erfassung als Todesfall nach einer
Lebendgeburt mehr als 12 Wochen betragen haben muss) sowie in der
Tschechischen Republik, Frankreich, den Niederlanden und Polen (wo sich
die Schwangerschaftsdauer auf mindestens 22 Wochen und/oder das Gewicht
auf mindestens 500 g belaufen muss).
Überblick
In den meisten OECD-Ländern ist
die Säuglingssterblichkeit niedrig, und bei den Sterberaten gibt
es kaum Unterschiede. Es gibt jedoch eine kleine Gruppe von
OECD- und aufstrebenden Ländern, die Säuglingssterberaten von
über 10 Todesfällen je 1 000 Lebendgeburten aufweist. 2009
reichten die Sterberaten in den OECD-Ländern von einem Tiefstand
von weniger als 3 Todesfällen je 1 000 Lebendgeburten in
nordischen Ländern (Island, Schweden, Finnland), Japan,
Slowenien, Luxemburg und der Tschechischen Republik bis zu einem
Höchststand von 13 bzw. 15 in der Türkei und Mexiko. Relativ
hoch waren die Säuglingssterberaten (mit 6 oder mehr Todesfällen
je 1 000 Lebendgeburten) auch in den Vereinigten Staaten und
Chile. Der Durchschnitt aller OECD-Länder betrug 2009 4,4%.
Rund zwei Drittel der
Todesfälle, die im ersten Lebensjahr -eintreten, sind neonatale
Todesfälle (d.h. in den ersten vier Wochen). Geburtsfehler,
Frühgeburten und sonstige während der Schwangerschaft
auftretende Komplikationen sind die Hauptfaktoren, die in
Industrieländern zur neonatalen -Sterblichkeit beitragen. Mit
der wachsenden Zahl von Frauen, die eine Mutterschaft
aufschieben, und der Zunahme von Mehrlingsgeburten in Verbindung
mit Fruchtbarkeits-behandlungen ist die Anzahl der Frühgeburten
im Trend -gestiegen. In einer Reihe von Hocheinkommensländern
hat dies in den letzten Jahren zu einer Stagnation des
rückläufigen Trends bei der Säuglingssterblichkeit geführt. Bei
den -Todesfällen nach dem ersten Monat (postneonatale
-Mortalität) sind die Ursachen in der Regel vielfältiger:
In den meisten Fällen sind es plötzlicher Kindstod (SIDS),
-Geburtsfehler, Infektionen und Unfälle.
Alle OECD-Länder haben bei der
Reduzierung der Säuglingssterberaten beachtliche Fortschritte im
Vergleich zum Stand von 1970 erzielt, als der Durchschnitt bei
annähernd 30 Todesfällen je 1 000 Lebendgeburten lag. Das
entspricht einer Senkung von insgesamt 85% seit 1970. Portugal,
das zuvor die höchste Säuglingssterblichkeit in Europa aufwies,
verzeichnet seit 1970 eine durchschnittliche jährliche
Verringerung der Säuglingssterberate um nahezu 7% und ist 2009
in die Gruppe der Länder mit den niedrigsten Raten im OECD-Raum
aufgerückt. Eine starke Reduzierung der Säuglingssterberaten war
auch in Korea, Israel und der Türkei zu beobachten. Langsamer
war der Rückgang der Säuglingssterberaten indessen in den
Niederlanden und den Vereinigten Staaten. Die
Säuglingssterberaten in den Vereinigten Staaten bewegten sich
zuvor weit unter dem OECD-Durchschnitt, liegen nun aber
darüber.
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