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Die OECD in Zahlen und Fakten 2011-2012: Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft
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branch Arbeitsmarkt
branch Beschäftigung und geleistete Arbeitsstunden
    branch Arbeitszeiten

Kürzere Arbeitszeiten sind eine der Möglichkeiten für die Bevölkerung, an den Vorteilen des Produktivitätswachstums teilzuhaben. Die Regierungen einiger OECD-Länder haben in den vergangenen Jahren auch Maßnahmen ergriffen, um es Eltern zu erleichtern, Berufs- und Familienleben miteinander zu vereinbaren, und z.T. führten diese Maßnahmen zu einer Verkürzung der Arbeitszeiten.

Definition

Die durchschnittlich geleisteten Jahresarbeitsstunden werden berechnet als Gesamtzahl der tatsächlich geleisteten Jahresarbeitsstunden dividiert durch die Durchschnittszahl der Beschäftigten. Die Zahlen berücksichtigen abhängig und selbstständig beschäftigte Arbeitskräfte sowie Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte.

Die Erwerbstätigkeit wird in der Regel mittels Haushaltserhebungen über die Erwerbsbevölkerung gemessen. Nach dem ILO-Konzept gelten als Erwerbstätige die Personen im Alter von 15 Jahren oder darüber, die angeben, dass sie in der Vorwoche mindestens eine Stunde erwerbstätig oder vorüber-gehend von ihrer Arbeit beurlaubt waren.

Die Schätzungen der effektiv geleisteten Arbeitsstunden basieren in den meisten Ländern ebenfalls auf nationalen Erhebungen über die Erwerbsbevölkerung, während in anderen Unternehmenserhebungen, administrative Quellen oder eine Kombination von Quellen verwendet werden. Die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden berücksichtigen die regulären Arbeitsstunden von Vollzeit- und Teilzeitarbeitskräften, (bezahlte und unbezahlte) Überstunden, ie in Nebentätigkeiten geleisteten Stunden sowie die Zeiten, in denen wegen gesetzlicher Feiertage, bezahlten Jahresurlaubs, Kranken- und Mutterschafts- bzw. Erziehungsurlaubs, Streiks und Arbeitskämpfen, Schlechtwetters, wirtschaftlicher Bedingungen sowie aus verschiedenen anderen untergeordneten Gründen nicht gearbeitet wurde.

Vergleichbarkeit

Die Statistiker der einzelnen Länder und die OECD bemühen sich sicherzustellen, dass Daten über geleistete Arbeitsstunden soweit wie möglich vergleichbar sind. Diese Daten basieren jedoch auf einem Spektrum von Quellen mit unterschiedlicher Verlässlichkeit. So beruhen z.B. für mehrere EU-Länder die Daten auf Schätzungen der OECD anhand von Ergebnissen der jeweils im Frühjahr durchgeführten Europäischen Arbeitskräfteerhebung. Diese Ergebnisse gehen auf eine einzelne Beobachtung im Jahr zurück und müssen durch Informationen aus anderen Quellen ergänzt werden, insbesondere in Bezug auf gesetzliche Feiertage und bezahlten Jahresurlaub. Die für die anderen Länder angegebenen Jahresarbeitsstunden werden von nationalen Statistikämtern geliefert und unter Verwendung der besten verfügbaren Quellen geschätzt. Diese nationalen Daten sollen Vergleichen von nationalen Trends zu Produktivität und Arbeitsinput dienen, sie sind aber auf Grund divergierender Quellen und sonstiger Ungewissheiten bezüglich ihrer internationalen Vergleichbarkeit für Ländervergleiche der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nicht in vollem Umfang geeignet.

Überblick

In der überwiegenden Mehrheit der OECD-Länder war die durchschnittliche Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Beschäftigten im Zeitraum 2000-2010 rückläufig. Jedoch war dieser Rückgang in den meisten Ländern im Vergleich zur Abnahme in früheren Jahrzehnten eher begrenzt. Teilweise könnte der beobachtete Rückgang der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden zwischen diesen beiden Jahren auf konjunkturbedingte Effekte zurückzuführen sein.

Die durchschnittliche Zahl der Jahresarbeitsstunden je -Beschäftigten verringerte sich für den gesamten OECD-Raum im Zeitraum 2000-2010 von 1 818 auf 1 749, was einer -Reduzierung der Arbeitszeit um rund eineinhalb Stunden -innerhalb einer 40-Stunden-Woche entspricht. Die Zahl der Jahresarbeitsstunden ist in den meisten Ländern zurück-gegangen; zugenommen hat sie nur in Belgien und Griechenland. Besonders ausgeprägt war die Jahresarbeits--zeitverkürzung in diesem Zeitraum in Chile, Island, der Tschechischen Republik und Estland, wo sie über 100 Stunden betrug, während Korea mit 319 Stunden den stärksten -Rückgang verzeichnete.

Wenn bei Ländervergleichen der Niveaus auch Vorsicht angebracht ist, liegt die Zahl der effektiv geleisteten Arbeitsstunden in Korea, Griechenland, Chile, Ungarn, der Tschechischen Republik, Polen, Estland, der Türkei und Mexiko doch signifikant über dem Durchschnitt der OECD-Länder insgesamt und in den Niederlanden, Norwegen, Deutschland, Belgien, Österreich, Luxemburg und dem Vereinigten Königreich weit unter dem OECD-Durchschnitt. Die Russische Föderation liegt mit 227 Mehrstunden ebenfalls deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

 

Quelle

Weitere Informationen
Analysen
  • Durand, M., J. Martin und A. Saint-Martin (2004), “The 35 Hour Week: Portrait of a French Exception”, OECD Observer, No. 244, September, OECD Publishing.
  • Evans, J.M., D. Lippoldt und P. Marianna (2001), “Trends in Working Hours in OECD Countries”, OECD Labour Market and Social Policy Occasional Papers, No. 45.
Zur Methodik
  • OECD (2004), “Recent Labour Market Developments and Prospects: Clocking In (and Out): Several Facets of Working Time”, OECD Employment Outlook 2004, OECD Publishing. Vgl. auch Anhang I.A1.
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Durchschnitt der effektiv geleisteten Arbeitsstunden
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