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Die OECD in Zahlen und Fakten 2011-2012: Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft
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branch Preise
branch Kaufkraftparitäten und Wechselkurse
    branch Reale effektive Wechselkurse

Die effektiven Wechselkurse sind eine summarische Messgröße der Veränderungen der Wechselkurse der Währung eines Landes gegenüber den Währungen seiner Handelspartner. In diesem Abschnitt werden zwei Indikatoren des realen effektiven Wechselkurses gezeigt, nämlich die Veränderungen der Verbraucherpreise und die Veränderungen der Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe eines gegebenen Landes, jeweils im Verhältnis zu den entsprechenden Veränderungen in den Konkurrenzländern. Diese Indikatoren geben Aufschluss über die preisliche Wettbewerbsfähigkeit eines Landes in einer weiten Interpretation. Diese Wettbewerbsfähigkeit ist wiederum ein wichtiger Bestimmungsfaktor dafür, wie erfolgreich verschiedene Länder bei der Steigerung der Produktivität, der Förderung der Innovation und der Anhebung des Lebensstandards sind.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Wechselkurse als eine Messgröße der Wettbewerbsfähigkeit zu betachten. Ein Indikator ist der nominale effektive Wechselkurs; bei sonst gleichen Bedingungen führt eine nominale Abwertung der Währung eines Landes kurzfristig zu einem Rückgang der relativen Preise seiner Produkte auf internationaler Ebene. Eine auf einer Abwertung des nominalen Wechselkurses beruhende potenzielle Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit kann jedoch durch die inländische Inflation geschmälert werden. Daher empfiehlt es sich, den realen effektiven Wechselkurs zu betrachten. Durch die Berücksichtigung der Verbraucherpreise im realen effektiven Wechselkurs soll dieses Problem in der Tat umgangen werden. Das wirft allerdings ein anderes Problem auf, und zwar im Zusammenhang mit der Annahme, dass sich die relativen Preise von inländischen handelbaren Gütern im Verhältnis zu denen von ausländischen handelbaren Gütern parallel zu den relativen Verbraucherpreisen entwickeln. Die Veränderungen der relativen Verbraucherpreise sind somit nicht die beste Messgröße für die Wettbewerbsposition eines Landes, denn in ihnen spiegeln sich auch die Trends bei den Preisen von nichthandelbaren Gütern wider. Um diese Unstimmigkeiten auszuschalten, können stattdessen die relativen Produktionskosten verwendet werden; diese werden in der Regel anhand der handelsgewichteten relativen Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe gemessen.

Definition

Die Indizes des nominalen effektiven Wechselkurses werden berechnet, indem für jedes Land die Veränderungen seines Wechselkurses gegenüber dem US-Dollar mit einem gewichteten Durchschnitt der Veränderungen der Wechselkurse seiner Konkurrenzländer gegenüber dem US-Dollar verglichen werden. Die Veränderungen der Wechselkurse der Konkurrenzländer werden mit Hilfe einer Matrix gewichtet, die den Umfang der bilateralen Handelsströme für das laufende Jahr misst.

Die beiden hier gezeigten Indikatoren des realen effektiven Wechselkurses - auf der Basis der relativen Verbraucherpreisindizes und der relativen Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe - berücksichtigen nicht nur die Entwicklung der -Marktwechselkurse, sondern auch die Schwankungen der -relativen Preise unter Zugrundelegung der Verbraucherpreise bzw. der Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe.

Zur Ermittlung der Veränderung des relativen Verbraucherpreisniveaus eines Landes zwischen zwei Jahren wird die Veränderung des Verbraucherpreisindex dieses Landes, die zu jeweiligen Wechselkursen in US-Dollar konvertiert wird, mit einem gewichteten Durchschnitt der Veränderungen der Verbraucherpreisindizes seiner Konkurrenzländer, ebenfalls in US-Dollar ausgedrückt, verglichen. Der gewichtete Durchschnitt der Preise der Konkurrenzländer basiert auf einer Matrix für das laufende Jahr, die der Bedeutung der jeweiligen bilateralen Handelsströme Rechnung trägt. Veränderungen des Index der relativen Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe werden auf die gleiche Weise berechnet.

Ein Anstieg der Indizes bedeutet, dass sich die Wettbewerbs-fähigkeit des jeweiligen Landes verschlechtert hat. Die realen Wechselkurse sind ein wichtiger kurzfristiger Bestimmungsfaktor der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Zu beachten ist, dass die Indizes nur Veränderungen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des jeweiligen Landes im Zeitverlauf zeigen. Zwischen den Ländern bestehende Unterschiede beim Index-niveau sind dabei nicht von Bedeutung.

Vergleichbarkeit

Die hier aufgeführten Indizes werden mit Hilfe eines einheit-lichen Verfahrens konstruiert, was einen hohen Grad an Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Ländern und im Zeitverlauf gewährleistet.

Überblick

Seit dem Jahr 2000 sind mehrere Verlaufsmuster zu beobachten. Deutschland verzeichnete bei beiden Messgrößen der realen Wechselkurse wenig Veränderungen, was in geringerem Maße auch auf seinen engsten Handelspartner Frankreich zutraf. Japan und die Vereinigten Staaten verbuchten in diesem Zehnjahreszeitraum indessen beide eine deutliche Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Der reale effektive Wechselkurs auf der Basis der Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe der Vereinigten Staaten wertete z.B. um 36,9% ab und der Japans um 28,8%. Die Abwertung des realen effektiven Wechselkurses auf der Basis der Lohnstückkosten war für die Türkei nahezu identisch wie für die Vereinigten Staaten, wobei in den letzten zehn Jahren eine geringere Varianz zu beobachten war. Anders als in den Vereinigten Staaten hat der reale effektive Wechselkurs auf der Basis der VPI jedoch aufgewertet.

Nach einer langen Phase der Stabilität musste Kanada eine signifikante Verschlechterung seiner Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zum Jahr 2000 hinnehmen (Anstieg des realen effektiven Wechselkurses auf der Basis der Lohnstückkosten um 80%). Australien und Neuseeland sind nicht allzu weit von Kanada entfernt, wenngleich Neuseeland 2010 noch immer wettbewerbsfähiger war als 2005. Gleichzeitig war der Anstieg der relativen Verbraucherpreise in Kanada und Neuseeland etwas weniger ausgeprägt, was auf mehr Stabilität bei den Preisen für nichthandelbare Güter hindeutet.

 

Quelle

Weitere Informationen
Analysen
Statistiken
Zur Methodik
  • Durand, M., C. Madaschi und F. Terribile (1998), “Trends in OECD Countries' International Competitiveness”, OECD Economics Department Working Papers, No. 195.
  • Durand, M., J. Simon und C. Webb (1992), “OECD's Indicators of International Trade and Competitiveness”, OECD Economics Department Working Papers, No. 120.
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Reale effektive Wechselkurse
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