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Die OECD in Zahlen und Fakten 2011-2012: Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft
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branch Produktion und Einkommen
branch Einkommensungleichheit und Armut
    branch Armutsquoten und Armutslücken

Die Vermeidung wirtschaftlicher Härten ist eines der Hauptziele der Sozialpolitik. Da die Definition dessen, was als "annehmbarer Lebensstandard" zu betrachten ist, zwischen den Ländern und im Zeitverlauf variiert, existiert auch keine gemeinsam vereinbarte Messgröße der "absoluten" Armut in den OECD-Ländern. Ein Ausgangspunkt für die Messung der Armut ist daher die Betrachtung der "relativen" Armut, eine Messgröße, deren Höhe jedes Jahr im Verhältnis zum typischen Einkommen des jeweiligen Landes ermittelt wird.

Definition

Die relative Einkommensarmut wird hier anhand der Armutsquote und der Armutslücke gemessen. Die Armutsquote ist definiert als die Zahl der Personen, deren Einkommen unter die Armutsgrenze fällt, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Die Armutsschwelle ist hier bei der Hälfte des Medianeinkommens der Haushalte angesetzt. Das relative Einkommensniveau der Armenpopulation kann jedoch in Ländern mit identischer Armutsquote unterschiedlich sein. Um diese Dimension zu messen, wird zusätzlich die Armutslücke berechnet, bei der es sich um den als Prozentsatz der Armutsgrenze ausgedrückten Abstand zwischen dem Medianeinkommen der Armen und der Armutsgrenze handelt.

Das Einkommen wird definiert als das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in einem bestimmten Jahr. Es umfasst Einkommen aus unselbstständiger und selbstständiger Tätigkeit, Kapitaleinkünfte und staatliche Transferleistungen, abzüglich der von den privaten Haushalten entrichteten Einkommensteuern und Sozialversicherungsbeiträge. Das Einkommen des Haushalts wird den einzelnen Haushaltsmitgliedern zugeordnet, wobei eine Bereinigung um Bedarfsunterschiede zwischen Haushalten unterschied-licher Größe vorgenommen wird (z.B. wird unterstellt, dass der Bedarf von Vier-Personen-Haushalten doppelt so groß ist wie der von Alleinstehenden).

Vergleichbarkeit

Die hier verwendeten Daten wurden von Experten aus den einzelnen Ländern unter Anwendung einheitlicher Methoden und Standarddefinitionen bereitgestellt. In vielen Fällen haben die Experten Anpassungen ihrer Ausgangsdaten vorgenommen, damit sie den Standarddefinitionen entsprachen. Dadurch verbesserte sich zwar die Vergleichbarkeit, eine vollständige Standardisierung konnte jedoch nicht erreicht werden. Geringfügige Unterschiede zwischen Zeiträumen und zwischen Ländern sind im Allgemeinen nicht signifikant.

Am stärksten sind die Messprobleme am unteren Ende der Einkommensskala. Da zudem ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung in der Nähe der hier verwendeten Armutsgrenze angesiedelt ist, können geringfügige Veränderungen ihres Einkommens starke Schwankungen der Armutsmessgrößen zur Folge haben. Geringfügige Unterschiede zwischen den Zeiträumen und den Ländern sind im Allgemeinen nicht signifikant. Genaue Jahresangaben für die einzelnen Länder finden sich im Abschnitt zu den "Messgrößen der Einkommensungleichheit" .

Die Ergebnisse beziehen sich auf unterschiedliche Jahre. Die Daten von "Ende der 2000er Jahre" beziehen sich in allen Ländern auf die Einkommen aus dem Jahr 2008, außer in Japan (2006), Dänemark, Ungarn und der Türkei (2007) sowie Chile (2009). Die Daten von "Mitte der 1990er Jahre" betreffen in allen Ländern, für die Daten zur Verfügung stehen, das zwischen 1993 und 1996 bezogene Einkommen, außer in Polen und der Schweiz (2000), Estland, Island, der Slowakischen Republik und Slowenien (2004) sowie Korea (2006). Die Daten von "Mitte der 1980er Jahre" beziehen sich in allen Ländern, für die Daten zur Verfügung stehen, auf das zwischen 1983 und 1987 bezogene Einkommen, außer in Griechenland (1988), Portugal (1990) und der Tschechischen Republik (1992). Die Daten von "Mitte der 1980er Jahre" beziehen sich für Deutschland auf die alten Bundesländer. Die Daten von "Ende der 2000er Jahre" für Österreich, Belgien, Irland, Portugal und Spanien basieren auf der europaweit erhobenen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) und sind mit denen früherer Jahre nicht vergleichbar; daher bleiben diese Länder bei den Veränderungen im Zeitraum "Mitte der 1980er Jahre bis Ende der 2000er Jahre" unberücksichtigt.

Überblick

In den OECD-Ländern betrug die durchschnittliche Armutsquote Ende der 2000er Jahre etwa 11%. Zwischen den Ländern bestehen beträchtliche Unterschiede: So liegen die Armutsquoten in Israel und Mexiko bei mindestens 20%, in der Tschechischen Republik, Dänemark, Ungarn und Island indessen bei unter 7%. In den OECD-Ländern liegt das Durchschnittseinkommen der Armenbevölkerung im Schnitt um 27% unter der Armutsgrenze (Armutslücke), wobei die Lücke in Korea, Mexiko, Spanien und den Vereinigten Staaten größer und in Belgien, Luxemburg, Finnland und den Niederlanden geringer ist. Länder mit höheren Armutsquoten weisen im Allgemeinen auch größere Armutslücken auf, dies trifft jedoch nicht überall zu. (In Norwegen beispielsweise gehen niedrige Armutsquoten mit hohen Armutslücken einher, in Estland dagegen hohe Armutsquoten mit niedrigen Armutslücken.)

Zwischen Mitte der 1980er Jahre und Ende der 2000er Jahre stiegen die Armutsquoten in 16 der 19 Länder, für die längerfristige Daten zur Verfügung stehen, was einen globalen Anstieg um 2 Prozentpunkte für den OECD-Raum insgesamt zur Folge hat. Den größten Anstieg verzeichnete Israel, den größten Rückgang Griechenland.

 

Quelle

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Armutsquoten und Armutslücken Figure in Excel
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Trendmäßige Entwicklung der Armutsquoten Figure in Excel
Trendmäßige Entwicklung der Armutsquoten