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Lebenserwartung bei der Geburt
Die Lebenserwartung bei der Geburt ist infolge des drastischen Rückgangs der Sterberaten auf allen Altersstufen in den OECD-Ländern weiter deutlich gestiegen. Zu verdanken ist dieser Gewinn an Lebenserwartung einer Reihe von Faktoren, darunter einem steigenden Lebensstandard, einer gesünderen Lebensweise und besseren Bildung wie auch einem breiteren Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung. Weitere Faktoren, wie bessere Ernährung, sanitäre Versorgung und Wohnverhältnisse, spielen ebenfalls eine Rolle, vor allem in Ländern mit einer noch in der Entwicklung befindlichen Volkswirtschaft (OECD, 2004c).
Lebenserwartung mit 65 Jahren
Die Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren ist in den letzten Jahrzehnten sowohl bei Frauen als auch bei Männern in allen OECD-Ländern deutlich gestiegen. Zu den Faktoren, die die Erhöhung der Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren erklären, zählen Fortschritte in der medizinischen Versorgung in Kombination mit einem breiteren Zugang zur Gesundheitsversorgung, einem gesünderen Lebensstil und besseren Lebensbedingungen vor und nach Erreichen des 65. Lebensjahrs.
Vorzeitige Mortalität
Die vorzeitige Mortalität, die anhand der potenziell verlorenen Lebensjahre (PYLL) vor dem Alter von 70 Jahren gemessen wird, umfasst die Todesfälle in den jüngeren Altersgruppen der Bevölkerung. Die PYLL-Werte hängen stark von der Säuglingssterblichkeit und den durch Krankheit und Verletzung bedingten Todesfällen unter Kindern und jungen Erwachsenen ab: Tritt der Tod im fünften Lebensjahr ein, entspricht dies 65 PYLL, tritt er im 60. Lebensjahr ein, entspricht dies nur 10 PYLL. Rückgänge bei den PYLL können durch Fortschritte in der Medizintechnik, z.B. in Bezug auf die Säuglingssterblichkeit und die durch Herzkrankheiten bedingten Todesfälle, sowie bei Vorsorgemaßnahmen und Kontrolluntersuchungen beeinflusst werden, wodurch vorzeitige oder vermeidbare Todesfälle infolge von Verletzungen und übertragbaren Krankheiten reduziert werden. Mehrere andere Variablen, wie das Pro-Kopf-BIP, die berufliche Stellung, die Zahl der Ärzte sowie der Alkohol- und Tabakkonsum, sind ebenfalls mit den Rückgängen bei der vorzeitigen Mortalität verbunden (Or, 2000; Joumard et al., 2008).
Mortalität durch Herzerkrankung und Schlaganfall
Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren 2006 mit 36% aller Todesfälle in nahezu allen OECD-Ländern die häufigste Todesursache. Sie umfassen eine Reihe von Krankheiten des Kreislaufsystems, insbesondere die ischämische (koronare) Herzkrankheit (KHK oder Herzinfarkt) und zerebrovaskuläre Krankheiten (oder Schlaganfall). Zusammen machen die ischämische Herzkrankheit und der Schlaganfall zwei Drittel aller der durch Herz- Kreislauf-Erkrankungen bedingten Todesfälle aus und verursachten 2006 in den OECD-Ländern ein Viertel aller Todesfälle.
Mortalität durch Krebs
Krebs ist (nach Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems) die zweithäufigste Todesursache in den OECD-Ländern und hat 2006 27% aller Todesfälle verursacht. Im Jahr 2006 waren die Krebssterberaten in Mexiko, Finnland, der Schweiz und Japan am niedrigsten. Am höchsten fielen sie in den mittel- und osteuropäischen Ländern (Ungarn, Tschechische Republik, Slowakische Republik, Polen) und Dänemark aus (Abbildung 1.5.1).
Mortalität durch Straßenverkehrsunfälle
Weltweit kommen jährlich schätzungsweise 1,2 Millionen Personen durch Straßenverkehrsunfälle ums Leben und nicht weniger als 50 Millionen Personen erleiden Verletzungen oder Behinderungen (WHO, 2009c). Allein in den OECD-Ländern waren Straßenverkehrsunfälle 2006 für mehr als 125 000 Todesfälle verantwortlich, am häufigsten in den Vereinigten Staaten (46 000), Mexiko (17 000) und Japan (9 000). Zu rd. 5 000-6 000 Unfalltoten im Straßenverkehr kam es 2006 in Italien, Polen und Deutschland.
Suizid
Die vorsätzliche Selbsttötung ist nicht nur Ausdruck eines persönlichen Zusammenbruchs, sondern auch einer Verschlechterung des sozialen Umfelds, in dem die betreffenden Personen leben. Die Entscheidung, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen, kann die Folge einer Reihe unterschiedlicher Faktoren sein. Der Suizid erfolgt häufiger in persönlichen Krisenphasen, bei Scheidungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch oder Arbeitslosigkeit sowie in Fällen klinischer Depression oder bei sonstigen Formen psychischer Erkrankungen. Daher wird der Suizid häufig als Proxyindikator des psychischen Gesundheitszustands einer Bevölkerung herangezogen. Allerdings wird die Suizidzahl in einigen Ländern möglicherweise zu niedrig ausgewiesen, da der Suizid dort noch immer mit einem Stigma behaftet ist oder weil Datenprobleme im Zusammenhang mit den Berichterstattungskriterien bestehen (vgl. „Definition und Abweichungen").
Säuglingssterblichkeit
In der Säuglingssterberate, d.h. der Sterberate von Säuglingen und Kleinkindern unter einem Jahr, spiegelt sich der Effekt wirtschaftlicher und sozialer Bedingungen auf die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen sowie die Effizienz der Gesundheitssysteme wider.
Säuglingsgesundheit: Niedriges Geburtsgewicht
Ein niedriges Geburtsgewicht – hier definiert als ein Neugeborenengewicht von unter 2 500 Gramm – ist ein wichtiger Indikator für die Säuglingsgesundheit, da zwischen Geburtsgewicht und Säuglingsmorbidität bzw. -mortalität ein enger Zusammenhang besteht. Es gibt zwei Kategorien untergewichtiger Neugeborener, solche, die auf Grund eines verlangsamten fetalen Wachstums ein niedriges Gewicht aufweisen, und Frühgeburten. Bei Säuglingen mit niedrigem Geburtsgewicht ist die Gefahr von Gesundheitsschäden bzw. das Sterberisiko größer, sie müssen nach der Geburt für längere Zeit im Krankenhaus bleiben und entwickeln mit höherer Wahrscheinlichkeit schwere Behinderungen (UNICEF und WHO, 2004). Mögliche Risikofaktoren für ein niedriges Geburtsgewicht sind gegeben, wenn sich die Mutter noch in der Adoleszenz befindet, zuvor bereits Kinder mit geringem Geburtsgewicht zur Welt gebracht hat oder einen geringen Körpermassenindex (BMI) aufweist, sowie im Fall von schädlichen Verhaltensweisen wie Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum und schlechter Ernährung, bei einem niedrigen sozioökonomischen Status der Eltern oder bei Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit sowie bei Fruchtbarkeitsbehandlungen (IHE, 2008).
Zahngesundheit bei Kindern
Zahnprobleme, meistens in Form von Karies (Zahnverfall) und Parodontose (Zahnfleischschwund) sind in den Industrieländern weit verbreitet und betreffen 60-90% der Schulkinder und die große Mehrzahl der Erwachsenen (WHO, 2003). Menschen mit einer schlechten oralen Gesundheit können unter Schmerzen und Beschwerden, funktionalen Einschränkungen, niedrigem Selbstwertgefühl und einer allgemeinen Unzufriedenheit mit ihrem Äußeren leiden. Zahn- und sonstige Mundkrankheiten stellen daher ein großes öffentliches Gesundheitsproblem dar. Zahnerkrankungen hängen in starkem Maße mit bestimmten Lebensgewohnheiten, z.B. einer zuckerreichen Ernährung, zusammen, werden aber auch durch den Einsatz bzw. Nichteinsatz vorbeugender Schutzmaßnahmen wie Fluoridanwendungen und einer guten Mundhygiene beeinflusst. Benachteiligte und sozial ausgegrenzte Bevölkerungsgruppen sind von Zahnerkrankungen übermäßig stark betroffen (WHO, 2003), und Kinder sind besonders anfällig. In den Industrieländern sind Zahnbehandlungen oft kostspielig, wenngleich viele Länder für Kinder und Jugendliche unentgeltliche oder bezuschusste zahnärztliche Leistungen anbieten (vgl. auch Indikator 6.6 „Ungleichheiten in Bezug auf Zahnarztkonsultationen").
Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands
Die meisten OECD-Länder führen regelmäßig Gesundheitsumfragen durch, in denen sich die Befragten zu bestimmten Aspekten ihres Gesundheitszustands äußern können. Eine häufig gestellte Frage bezieht sich auf die Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands und lautet in etwa: „Wie beurteilen Sie Ihren allgemeinen Gesundheitszustand?" Trotz des subjektiven Charakters solcher Fragen haben sich Indikatoren der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands als guter Prädiktor für die künftige Inanspruchnahme des Gesundheitssystems und die Mortalität erwiesen (vgl. beispielsweise Miilunpalo et al., 1997). Bei internationalen Vergleichen lassen sich Unterschiede zwischen den Ländern bei der Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands indessen nur schwer interpretieren, da die Angaben durch Unterschiede in der Formulierung der Fragen und den Antwortkategorien wie auch durch kulturelle Faktoren beeinflusst werden können.
Diabetes-Prävalenz und -Inzidenz
Diabetes ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, die durch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels gekennzeichnet ist. Sie tritt auf, wenn die Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion einstellt (Diabetes Typ 1) oder wenn die Insulinproduktionsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse eingeschränkt und der Körper zugleich gegenüber der Wirkung des Insulins resistent ist (Diabetes Typ 2). Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln (Herzanfall, Schlaganfall), wenn ihr Leiden nicht durch Diagnose erkannt oder nicht ausreichend überwacht wird. Sie haben zudem ein erhöhtes Risiko des Sehkraftverlustes, von Fuß- und Beinamputationen infolge von Schädigungen der Nerven und Blutgefäße sowie von Nierenversagen, in welchem Fall Dialysen oder Transplantationen erforderlich werden.
HIV/AIDS-Inzidenz
Die ersten Fälle von AIDS (Erworbenes Immundefektsyndrom) wurden vor fast 30 Jahren diagnostiziert. AIDS wird im Allgemeinen durch eine HIV-(Human-Immundefektvirus) Infektion ausgelöst und äußert sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Krankheiten wie Lungenentzündung und Tuberkulose, da das Immunsystem den Körper nicht mehr schützen kann. Zwischen der HIV-Infektion, der AIDS-Diagnose und dem durch eine HIV-Infektion bedingten Tod liegt eine Zeitspanne, die sich über eine unbestimmte Anzahl von Jahren erstrecken kann und von der Art der therapeutischen Behandlung abhängt. Trotz der weltweiten Forschung gibt es bisher noch kein Heilmittel.
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